Letschin (moz) Trotz herrlichstem Sonnenschein trafen sich am Sonntagnachmittag erneut einige hundert Bürger, um gegen die geplante Verpressung von Kohlendioxid im Oderbruch mobil zu machen. Sobald die Erkundung beginnt, planen die Gegner eine Großdemo.
Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Entgegen aller Beteuerungen zahlreicher Politiker – u.a. durch Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) – soll es nun doch ein regional geltendes Gesetz zur CO2-Verpressung geben. Wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus an diesem Nachmittag berichtet, habe sich die bündnisgrüne Landtagsfraktion mit einem Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (FDP) gewandt. Mit Datum 1. Juni 2010 hat der Minister, handschriftlich unterzeichnet, mitgeteilt, dass die Vorstellungen des Bundes dahin gehen, „das Gesetz auf die Regelung von Demonstrationsanlagen zu beschränken und dies politisch mit den betroffenen Ländern vorab zu klären.“ Das sei ein Skandal. Brandenburg brauche weder neue Tagebaue noch eine CO2-Deponie. Vielmehr müsse das Land bis 2040 auf 100 Prozent erneuerbare Energien umsteigen.
„Ich weiß, was eine Vergiftung für den Boden bedeutet“, sagt Sebastian Dietrich. Der 21-Jährige Letschiner ist Gartenbaufacharbeiter. Der Boden, Pflanzen und Natur sind sein Leben. Er will nicht, dass durch unabsehbare Risiken, die er in einer CO2-Verpressung sieht, Gefahren für seine Heimat heraufbeschworen werden. Deshalb hat er ein Plakat entworfen. Gemeinsam mit seiner Mutter Christine Dietrich sowie den Großeltern Liselotte und Günter Jehser dokumentiert er in großen Lettern den Protest.
Den gesamten Beitrag lesen Sie in unserer gedruckten Ausgabe vom 8. Juni 2010.
„Wir lassen uns auch von Rückschlägen nicht entmutigen“, kündigte der Groß Neuendorfer Ortsvorsteher Kai Herrmann am Sonntag in Letschin an. Er ist einer der Organisatoren des Fresh Air Festivals, das vom 25. bis 27. Juni eigentlich in Groß Neuendorf stattfinden sollte. Anfang der Woche habe der örtliche Landwirtschaftsbetrieb jedoch seine Zusage, das Festivalgelände zur Verfügung zu stellen, zurückgezogen. „Aber wir haben im Ortsbeirat Ortwig sofort einen neuen Verbündeten gefunden. Diese Ortwiger sind für mich die CO2-Aktivisten der Woche“, so Herrmann.
Das Festival findet auf dem Sportplatz statt. Der Landwirtschaftsbetrieb NOGA Agrar GmbH werde alles abmähen und Bruno Niewand stelle sogar seine immer top gepflegte Wiese als Parkplatz zur Verfügung.
Das Wochenende soll eine Form des Widerstandes gegen die Vattenfall-Pläne sein. Schon jetzt gebe es Anfragen aus ganz Deutschland für das Festival. Er versprach viel gute Musik an diesem Protest-Wochenende.
Man werde einmal mehr mit friedlichen Mitteln deutlich machen, dass sich im Oderbruch und bei Beeskow nicht nur ein Handvoll Leute gegen das Vorhaben wehren, sondern dass eine große Mehrheit der Bürger die Pläne ablehne, so Kai Herrmann.
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