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Eberswalde trauert um Paul Wunderlich

Eberswalde (moz) Mit tiefer Trauer hat die Barnimer Öffentlichkeit auf den Tod von Paul Wunderlich reagiert. Der weltberühmte Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer, seit 2008 Ehrenbürger seiner Geburtstadt Eberswalde, war am Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit 83-jährig in seinem Zweitwohnsitz Saint Pierre de Vassols, Frankreich, gestorben (MOZ berichtete). Ab Ende Juni zeigt der Freundeskreis Paul Wunderlich im Kreishaus eine neue Sonderausstellung. Sie zeigt für ein Jahr Entwürfe und Kreationen des Künstlers im Bereich Design. Viele Leihgaben aus Hamburg, seinem letzten Wohnort, und aus Südfrankreich belegen seine Meisterschaft. Es ist die erste Sonderschau, die die nicht mehr zu Wunderlichs Lebzeiten eröffnet wird.

  © MOZ/Thomas Burckhardt

Von Viola Petersson,

Melanie Reinsch, Sven Klamann und Dietmar Rietz

Nach dem Tod des berühmtesten Sohnes der Barnimer Kreisstadt ist es für niemanden, der ihn näher kannte, einfach so möglich, in der Tagesordnung fortzufahren, als sei nichts geschehen. Zu präsent ist Paul Wunderlich in Eberswalde – mit der Dauerausstellung im Kreishaus, mit der zwei Meter hohen und vier Meter langen Bronzeskulptur „Raubvogel“ im Park am Weidendamm und in den Erinnerungen an seine gelegentlichen Besuche in seiner Geburtsstadt.

Tief bewegt von Paul Wunderlichs Tod hat sich Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski zu Wort gemeldet. „Unsere Stadt verliert ihren Ehrenbürger, die Welt der Kunst einen ihrer namhaftesten und vielseitigsten Vertreter“, sagt er. Paul Wunderlich habe den Namen Eberswaldes über die Grenzen des Landes hinausgetragen und in der Stadt bleibende Spuren hinterlassen. „Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet“, betont der Bürgermeister, der die Gespräche mit Paul Wunderlich stets als Geschenk empfunden hat, selbst eines seiner Werk besitzt und sich als Bewunderer seiner Kunst bezeichnet.

Josef Keil, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse, verbindet mit dem Künstler „eine „Demokratisierung moderner Kunst“. Erst mit seiner Auflage von Originaldrucken habe ein breites Publikum Kunst zu erschwinglichen Preisen erwerben können. Josef Keil erinnert sich eines Gesprächs mit dem Künstler beim Spatenstich für das Paul-Wunderlich-Haus: „Ich fragte mich und ihn damals, ob es nicht Unglück bringe, schon zu Lebzeiten Namensgeber für ein solches Haus zu sein. Er antwortete: Das habe ich auch noch nicht erlebt. Er war damals schon hoch in den 70-ern und hat es deshalb wohl hingenommen.“ Spät habe sich Wunderlich seiner Vaterstadt erinnert, „aber dann mit voller Kraft und glaubwürdig“.

Fasziniert vom Schaffen Paul Wunderlich ist in besonderer Weise Andreas Bogdain, selbst Grafiker und Maler. Er kann sich noch gut an seine erste Begegnung mit „PW“ erinnern. „Das war 1998. Ich arbeitete im Museum in der Adler-Apotheke. Wir hatten die erste Wunderlich-Ausstellung vorbereitet.“ Wunderlich kam zur Vernissage. Da im Museum Rauchverbot war, trafen sich beide – Wunderlich und Bogdain – auf eine Zigarette in seinem Büro. „So kamen wir ins Gespräch“, erzählt Bogdain. „Paul Wunderlich interessierte sich vor allem für Eberswalde, ich erzählte ihm von der Mühle.“ Schon bei diesem ersten Treffen sei ihm aufgefallen, „dass Wunderlich keinen Trubel mag“. Ihn habe immer interessiert, „was man noch machen wird“, stellte Bogdain bei den folgenden Besuchen fest. Besonders beeindruckt habe ihn, dass Wunderlich relativ zeitig „einen hohen Grad ein Unabhängigkeit erreicht hat“. Insofern sei er für ihn eine Art künstlerischer Wegbegleiter geworden. Bogdain sammelte selbst Wunderlich-Werke. Hin und wieder bietet er einige Arbeiten in seiner Galerie zum Kauf an. Zur Eröffnung des Wunderlich-Hauses 2007 gab Bogdain einen Grafikzyklus mit dem Titel „ARTribute to Paul Wunderlich“ heraus – Bogdains ganz persönliche Hommage für einen großen Künstler. Das letzte Mal habe er Wunderlich im Dezember gesehen. „Ich habe ihn in Hamburg besucht. Da ist er gerade Großvater geworden.“

Mit Bestürzung hat der Landrat des Landkreises Barnim, Bodo Ihrke die Nachricht vom Tod Paul Wunderlichs vernommen: „Unser Mitgefühl gilt in diesen Stunden seiner Familie.“ Das Kreishaus, das seinen Namen trage, sei „aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben im Landkreis nicht mehr wegzudenken“. Aber nicht nur künstlerisch habe Wunderlich in Eberswalde Spuren hinterlassen. „Wir sind sehr glücklich, einem der wichtigsten deutschen Künstler auf so freundschaftliche Weise begegnet zu sein und mit ihm zusammengearbeitet zu haben“, sagte Ihrke.

Frank Göritz von der „Freundeskreis-Paul-Wunderlich-Stiftung“ hat den Künstler 2004 kennengelernt. „Daraus entstand ein sehr enger, persönlicher Kontakt. Ich habe ihn immer als sehr gütigen, freigiebigen Menschen erfahren“, sagt Göritz. Besonders imponiert habe ihn seine Kreativität. „Es verging kaum ein Tag, an dem er nicht gearbeitet hat.“

Die ehemalige Museumsleiterin Ingrid Fischer, Vorsitzende des Freundeskreises, hat die Nachricht von Wunderlichs Tod als „lähmend“ empfunden. Es wären immer sehr persönliche Gespräche mit Wunderlich gewesen. Er hätte sich stets für alles, was er in Eberswalde kennengelernt hatte, interessiert. „Meine Bewunderung gilt einem vielseitigen Künstler und verehrungswürdigen Menschen!“

Paul Wunderlich war am 
10. März 1927 in Eberswalde auf die Welt gekommen. Mit dem Kriegsende verließ er seine Geburtsstadt und kehrte erst 1997 aus Anlass einer Personalausstellung erstmals zurück.

Mit über 300 Grafiken, Gemälden und Skulpturen bietet das Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde gegenwärtig die umfassendste ständige Wunderlich-Präsentation in Europa.

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