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Jens Sell 13.06.2010 17:08 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

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Viel Polizei zwischen allen Fronten

Bad Freienwalde (moz) Als der Regionalzug gegen 12 Uhr in Bad Freienwalde einfuhr, hatten sich schon um die hundert Gegendemonstranten zum Empfang auf der Bahnhofstraße aufgestellt. Doch direkt zum Bahnsteig kamen sie nicht durch. Ein stattliches Polizeiaufgebot setzte die Polizeistrategie der räumlichen Trennung der politisch gegensätzlichen Gruppen, die Veranstaltungen angemeldet hatten, strikt durch. So zeigten viele jugendliche Antifa-Anhänger und auch ältere Linke, Sozialdemokraten und Grüne mit Sprechchören, Transparenten und Fahnen, dass die rechtsextreme Jugendgruppe in der Kurstadt unerwünscht ist.

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Ziviler Ungehorsam: Am Lautsprecherwagen der Antifa gab es ein Gerangel, als Polizisten den Sprecher daran hindern wollten, zu Blockaden der Nazi-Demo-Strecke aufzurufen. Dann erklomm ein Polizist das Dach und zog den Stecker. Foto: MOZ/Oliver Voigt

© MOZ/Oliver Voigt

Mehr als 250 Menschen unterschiedlicher politischer Richtungen und Generationen hatten sich am Vormittag auf dem Freienwalder Markt versammelt. „Wichtig sind die Vielfalt und die Geschlossenheit, die wir demokratischen Kräfte heute hier demonstrieren“, rief die SPD-Landtagsabgeordnete Jutta Lieske den Teilnehmern zu. Sie waren nicht nur aus der Kurstadt, sondern aus dem ganzen Kreis und Berlin zusammengekommen. Besonders viele Linke aus Strausberg sah man. Dort hat die rechte Kameradschaft für diesen Sonnabend eine Demonstration angemeldet.

„1936 waren wir 33 Gymnasiasten hier in Bad Freienwalde, nach dem Krieg waren von uns noch elf übrig. Und wisst ihr, was das Schlimmste ist? Der Tod meiner 22 Schulkameraden war umsonst“, mahnte der Schriftsteller Siegfried Schumacher (84) die Gäste des Festes der Vielfalt zum Frieden. Linken-Stadtverordneter Jörg Grundmann sah in der Menschenmenge auf dem Markt das „Signal, dass die Stadt Bad Freienwalde es nicht widerspruchslos toleriert, wenn Neonazis durch ihre Straßen marschieren.“ Der Landesvorsitzende der Bündnisgrünen Axel Vogel verwies auf den Erfolg der vorherigen Gegendemos in Bernau und Eberswalde. Leider habe die KMOB ihre Veranstaltung in Freienwalde nicht wie in der Vorwoche abgesagt, „weil sie merkten, dass sich die ganze Stadt gegen sie stellt.“ Auch Pfarrerin Kathrin Herrmann begrüßte die Festteilnehmer.

Gegen Mittag traten verschiedene Musikgruppen auf dem Markt auf, so auch die „Schülerband ohne Namen“ SBON der Kretschmann-Oberschule mit eigenen Liedern und Coversongs.

Zu Beginn des Festes hatte es am Lautsprecherwagen der Antifa-Gruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben. Die Beamten schritten ein, als über Lautsprecher zu zivilem Ungehorsam und Blockaden aufgerufen wurde. Schließlich erklomm ein Polizist das Wagendach und zog den Stecker. Im Verlaufe des Tages sprach die Polizei 60 Platzverweise aus, stellte von 27 Personen die Personalien fest und nahm mehrere Anzeigen auf, so wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und gefährlicher Körperverletzung (ein rechter Demonstrant wurde von einer Luftgewehrkugel verletzt, berichtete die Kameradschaft auf ihrer Homepage), wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz in Verbindung mit öffentlicher Aufforderung zu Straftaten.

Die rund 60 rechten Demonstranten, unter ihnen zahlreiche Berliner Gesinnungsgenossen, stellten sich zweimal zu improvisierten Kundgebungen auf. Bei der zweiten in der Tornowstraße war es einigen Gegendemonstranten gelungen, bis in deren Nähe vorzudringen. Ihre Sprechchöre und Trillerpfeifen ließen von der rechtsgerichteten Rede nicht viel Verständliches durchdringen. Der Abzug Richtung Bahnhof verlief Dank Polizeischutz ohne Zwischenfälle.

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