Finowfurt/Finow (moz) Open-Air-Gottesdienste sind in der Schorfheide noch eine junge Tradition. Nach dem zweiten Gottesdienst am Askanierturm zu Pfingsten feierten auch die Orte Altenhof, Finow, Finowfurt, Lichterfelde und Werbellin zu ihrem regionalen Kirchengemeindefest am Sonntag ihren Glauben zum zweiten Mal unter freiem Himmel.
Den Tisch hat er aus dem Lichterfelder Schloss geholt, mit dem großem Blumenstrauß auf weißer Tischdecke den Altar ersetzt, die Orgel durch ein Keyboard – Ulf Haberkorn ist ein junger Pfarrer und die Herangehensweise des beliebten evangelischen Gottesmannes recht unkonventionell.
Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren hat er nun zum zweiten Mal einen Gottesdienst ins Freie verlegt. Vor einem Jahr war der Werbellinsee Kulisse für das Ereignis in Altenhof. Diesmal ist es der Erzberger Platz vor dem großen Verwaltungsgebäude in Finowfurt.
„Man muss sich schon dran gewöhnen“, sagt die 82-jährige Frieda Schönfeld, die fast jeden Sonntag einen Gottesdienst besucht – „und wenn es nur im Fernsehen ist“, aber Ereignisse dieser Art nur von früheren Kirchentagen vor der politischen Wende kennt. „Aber wenn der Pfarrer spricht, wird es doch heilig“, ist sie sicher. Auf Haberkorn hält sie einiges. Ihre Urenkelin hat er im vergangenen Jahr konfirmiert. Und in diesem Jahr gibt sie selbst noch ein großes Ereignis ihres Lebens in seine Hände: die Diamantene Hochzeit im Juli.
Knapp 1200 evangelische Christen gehören zum Pfarrbezirk, den Haberkorn betreut. Aber nicht nur treue Kirchbesucher sind unter den reichlich 250 Menschen, die am Sonntag auf den Bierzelt-Bänken Platz genommen haben.
Die 30-jährige Michaela Heide etwa aus dem Brandenburgischen Viertel will ihrer Tochter beim Theaterspielen zusehen. Das regionale Kirchengemeindefest zieht jedes Jahr in einen anderen der beteiligten Orte – auch die Finower Kirchgemeinde mit den Eberswalder Stadtteilen Clara-Zetkin-Siedlung, Finow und dem Bonhoeffer-Haus im Brandenburgischen Viertel ist mit vertreten. Sie sei überhaupt nicht gläubig, meint Michaela Heide. „Aber das dort ist ein offenes Haus. Für mich sind es die Menschen – man ist halt nicht allein.“
Genau das sei die Motivation dieses Gottesdienstes, sagt Haberkorn. „Das Fest ist ein gemeinschaftsstiftender Moment.“ Das Kirchenportal hat eine Schwelle. „Hier ergibt sich durch die Örtlichkeit ein Kommen und Gehen.“ Das passt zum Thema des Festes: „Baustelle Leben“. „Im Grunde geht es darum, dass unsere Leben sich immer mehr verunstetigen“, sagt Haberkorn.
Bauen durften die Gottesdienst-Besucher dann selbst. Die Bausteine: Namen und persönliche Gaben. Haberkorn ließ Zettel und Stifte herumgehen, „dann gucken wir mal, was sich daraus bauen lässt“. Das war in diesem Falle eine Kirche. Was auf den Bausteinen steht, liest Haberkorn zum Teil vor. „Emma kann am besten Sport. Hans Jürgen ist ein großer Drechsler. Wolfgang kann backen.“
Michaela Heide, die junge Mutter aus dem Brandenburgischen Viertel, hat „Geduld und Füreinanderdasein“ darauf geschrieben.
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