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Olav Schröder 16.06.2010 06:18 Uhr
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Apotheken fehlt der Nachwuchs

Bernau (moz) Der Beruf ist ansteckend. Die Zahl der Bewerber um einen Pharmaziestudienplatz in Berlin übersteigt die Zahl der Plätze fast um das Zehnfache. Und dennoch ist in Brandenburg bereits von einem Apothekermangel die Rede. Deshalb starten morgen Apotheken im Barnim wie im ganzen Land Brandenburg eine Nachwuchsoffensive.

  Salben-Herstellung nach Rezept: Tina Perkampus (r.) informiert sich bei Apothekerin Karen Setz über die ganz unterschiedlichen Arbeitsbereiche in einer Apotheke. Besonders in Brandenburg wird der Nachwuchs wegen fehlender Studienplätze knapp.Foto: MOZ/Fo © MOZ/Sergej Scheibe

Die relativ starken Kommunen am Berliner Rand sind von der Mangelsituation zwar weniger stark betroffen. Dennoch ist sie auch hier festzustellen, und je weiter man sich von Berlin entfernt, desto geringer wird die Apothekendichte, sagt Karen Setz, Bernauer Apothekerin und Vorstandsmitglied des Brandenburgischen Apothekerverbands.

Die Ursachen hierfür liegen nicht im Beruf als solchem. Die Apothekerkammer Brandenburg macht vielmehr folgende Rechnung auf: 2002 wurde der Fachbereich Pharmazie an der Humboldt-Universität (HU) geschlossen. Während Ende der 80er-Jahre an der HU und der Freien Universität (FU) zusammen 180 Studienanfänger pro Semester gezählt wurden, standen an der FU im vergangenen Wintersemester für die 580 Bewerbern nur noch knapp 70 Plätze zur Verfügung. Und in Brandenburg? Hier gibt es nicht einen Standort, der ein Pharmazie-Studium anbietet. Sonst ist dies nur noch im Stadtstaat Bremen der Fall.

Die Folgen für die Region sind gravierend, weiß Karen Setz. Nicht nur, dass der Apotheker-Nachwuchs bereits zahlenmäßig reduziert wurde. Brandenburg weist mit weiten Fahrwegen zusätzliche Minuspunkte im Standortvergleich mit Berlin auf. Schon in Eberswalde oder in Bad Freienwalde sei dies deutlich spürbar. Nach den Erfahrungen der Apothekerkammer Brandenburg ist insbesondere östlich von Berlin die Bereitschaft, sich niederzulassen sehr gering.

Da in dem Beruf zudem in Schichten gearbeitet wird, wirkten sich auch ungünstige Kita-Schließzeiten auf die geringe Nachfrage aus, so Karen Setz. Noch bedeutsamer wird dieses Argument vor dem Hintergrund, dass der Beruf zu rund 80 Prozent von Frauen ausgeübt wird, so Karen Setz.

Unterm Strich ergibt sich eine absurde Situation: Obwohl es genug Interessenten gibt, fehlen Apothekerinnen und Apotheker. Aus dem Dilemma bietet sich für die Berufsvertretungen im Wesentlichen ein Ausweg an: Brandenburg müsse einen Uni-Standort für Pharmazie bekommen.

Als Standorte kämen die Universitäten in Frankfurt, Cottbus und Potsdam in Frage. Die Landeshauptstadt verfügt dabei nach Einschätzung des Kammer über die besten Chancen, dass dort alle Pharmazie-relevanten Naturwissenschaften angeboten werden und auch Kooperationen mit den umliegenden außeruniversitären Instituten denkbar seien.

Dass es sich lohnt, den Beruf zu ergreifen, daran lässt Karen Setz keinen Zweifel aufkommen. „Er ist so vielseitig und spannend und bietet Beschäftigungsmöglichkeiten in vielen Bereichen“, sagt sie. Freude an den Naturwissenschaften – insbesondere an Chemie und Biologie – sollten mitgebracht werden. Die einzelnen Wissensbereiche sind sehr vielfältig und reichen von der Pflanzenkunde, der chemische Analyse bis hin zu pharmazeutische Technologie.

Nach einem Pharmazie-Studium öffnen sich viele Wege von der Forschung bis eben zur Tätigkeit als Apotheker – je nach Temperament und Neigung. Und mit dem Abschluss nach der zehnten Klasse kann man bereits eine Ausbildung zur Pharmazeuthisch-technischen bzw. Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin (PTA/PKA) beginnen.

Viele Kriterien, die junge Leute von ihrer künftigen Tätigkeit erwarten, erfüllt der Beruf der Apothekerin. So etwa die fachliche Selbstständigkeit. Der Apotheker kann selbst bestimmte Schwerpunkte in seiner Arbeit setzen. Dies können beispielsweise die Herstellung von Rezepturen und Salben sowie die Mischung von Tees sein. Ein weiteres Kriterium ist die wirtschaftliche Selbstständigkeit. Der Bereich der Betriebswirtschaft spiele eine große Rolle und sollte nicht unterschätzt werden, so Karen Setz. Die Vorstellung, das Preisgefüge im Gesundheitswesen sei unumstößlich festgefügt, gehört der Vergangenheit an.

Mit dem Tag der Apotheke am morgigen Donnerstag, der bundesweit von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände veranstaltet wird, soll die Nachwuchsoffensive gestartet werden. In den Apotheken, so Karen Setz, wird gern über den Beruf informiert. Auch Nachfragen nach einem Praktikum sind möglich.

Informationen gibt es auch im Internet unter der Adresse: www.lakbb.de

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