Lebus (moz) Erneut steht ein altes Handwerk im Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Haus Lebuser Land. Nach den Fischern, Schmieden und Gärtnern sind es nun die Bäcker, deren Spuren in der Oderstadt aufgenommen wurden. Der Besucher erfährt nicht nur etwas über Lebuser Leute dieses alten Berufsstands, sondern auch über Brotverluste und polizeiliche Anordnungen – vonwegen berühren verboten!
Was uns heute aus hygienischen Gründen als selbstverständlich erscheint, wurde 1892 am 23. September polizeilich verfügt: „Von heute ab darf kein Käufer mehr die Backwaren im Bäckerladen anrühren!“ Eine polizeiliche Anordnung, die einen Tag zuvor erlassen und in sämtlichen Bäckerladen ausgehängt worden war. Die Frankfurter Oderzeitung berichtete über dieses Ereignis, das „von Bürgerschaft und Bäckern mit großer Freude begrüßt wurde“, in ihrer Ausgabe vom 25. September 1892. Nachlesen kann man das in der gegenwärtigen Sonderausstellung zum Bäckerhandwerk in Lebus.
Um den Gewichtsverlust des Brotes geht es in einem anderen Artikel aus der Märkischen Volksstimme aus dem Jahr 1946. Darin wurden die zulässigen Fehlgewichte, wie sie das Wirtschaftsamt in Potsdam errechnet hatte, veröffentlicht. Ein Kastenbrot von 1500 Gramm Gewicht durfte nach 24 Stunden 1460 Gramm wiegen, also nur 40 Gramm weniger. Mit dem weiteren Verdunsten des Wasseranteils durfte es nach 48 Stunden auf 1430 Gramm und nach 72 Stunden auf 1400 Gramm „schrumpfen“. Und heute?
Nicht nur diese Zeitungsartikel lassen den Betrachter der Ausstellung schmunzeln, sondern auch die Vielzahl der historischen Geräte, der Formen, Bleche und Maschinen, die zusammengetragen wurden. Zwar sind sie nicht 7000 Jahre alt, wie die Geschichte des Brotbackens, aber nicht minder interessant, wie zum Beispiel die Teigteil- oder Mehlsiebmaschine.
Nachweise über die ersten Bäcker in Lebus haben die Mitglieder des Heimatvereins, allen voran Manfred Hunger, bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen können. Die meisten Bäcker gab es in der Altstadt und hier in der Breiten und in der Oderstraße. Es waren meist Familienbetriebe, die über Generationen geführt wurden. So zum Beispiel die Bäckerei Grunwald. Das erste Geschäft eröffnete Carl Grunwald Anfang des 20. Jahrhunderts in der Altstadt. Von hier zog er 1920 in die Frankfurter Straße 6. 1945 übernahm die Bäckerei sein Sohn Max. 1965 wurde aus der privaten eine konsumgenossenschaftliche Bäckerei. Und 1988 übernahm sie Norbert Falk. Von 1988 bis 2010 wurden in diesem Familienbetrieb zehn Lehrlinge ausgebildet. In dem Haus in der Frankfurter Straße 6 wird das Bäckerhandwerk und seine Tradition also bis in die Gegenwart hochgehalten.
Eine andere Bäckerei-Tradition verkörpert die Familie Zöllner aus der Oderstraße in Lebus. Auch hier übernahm der Sohn vom Vater die Bäckerei. Fritz Zöllner Junior legte 1951 mit 20 Jahren die Meisterprüfung ab. Er war damals der jüngste Meister des Bäckerhandwerks in Brandenburg. Mit 37 Jahren musste er jedoch seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Wie Grunwalds versorgten auch Zöllners die umliegenden Dörfer, wie Schönfließ oder Carzig, mit Brot und Backwaren – zweimal in der Woche.
Ausstellung, Öffnungszeiten: Die bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So, Feiertag 13 bis 16 Uhr
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