Berlin (DPA) Total in sich gekehrt stand Lena Schöneborn in einer der hinteren Reihen, als die ersten Drei auf das Podium gerufen wurden. Völlig überraschend rangierten bei den offenen deutschen Meisterschaften im Modernen Fünfkampf in der nationalen Wertung gleich drei Konkurrentinnen vor ihr: Eva Trautmann aus Darmstadt, die ihren zweiten Titel nach 2006 feierte, sowie zwei Juniorinnen, die immer stärker werdende Anne Hackel (19) aus Potsdam und die Berlinerin Annika Schleu (20). Erst dann kam sie, die hohe Favoritin, die in dieser Saison schon vier Weltcups, einschließlich des Finals vor einer Woche in Moskau, gewonnen hatte und vor heimischem Publikum im Berliner Olympiapark ihren vierten nationalen Titel holen wollte.
Verspielt hatte sie alle Chancen im Combinend, jenem seit einem Jahr eingeführten Wettbewerb, der dem Biathlon ähnelt und aus einem 3000-m-Lauf plus drei Einlagen mit der Luftdruck-Pistole besteht. Am Schießstand, an dem diesmal die kleinen Scheiben nicht wie gewohnt fielen, brauchte sie im Gegensatz zu ihren Konkurrentinnen 40 bis 50 Sekunden mehr Zeit, was einfach nicht zu kompensieren war. Eigentlich dachte die für den SSF Bonn startende und in Berlin lebende Studentin, schon gut mit dem neuen System zurecht zu kommen. Dies war diesmal aber nicht der Fall. „Ich muss erst einmal nachdenken und in Ruhe analysieren, weshalb es nicht klappte“, erklärte die enttäuschte Lena Schöneborn. Körperlich fühlte sie sich, wie sie sagte, „durchaus okay. Aber nicht mental.“
„Das ist ja auch kein Wunder bei der bislang so stressigen Saison“, meinte die Bundestrainerin Kim Raisner, die sich andererseits freute, dass die zweite Reihe auftrumpfte und der Nachwuchs sich prächtig mausert. „Bis zur Europameisterschaft in drei Wochen in Debrecen und der WM Anfang September im chinesischen Chengdu wird Lena bestimmt wieder die alte sein. Sie braucht jetzt ein paar Tage, um ihren Akku wiederaufzuladen.“
Im internationalen Ranking wurde Schöneborn gar nur Fünfte, weil die Britin Kate French als Zweite hinter Eva Trautmann einkam. Die 28-jährige Darmstädterin, die der Bundeswehr-Sportfördergruppe Berlin angehört, konnte endlich einmal im Fechten, ihrer schwächsten Disziplin, überzeugen und siegte verdient.
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