Berlin (moz) Zwar findet bei diesem Genre die Kunst nicht im Saale statt. Im Fall des Wettbewerbs „100 beste Plakate 09“ jedoch hat es derzeit das Foyer der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen im Kulturforum am Potsdamer Platz in Besitz genommen. Und das in Folge zum vierten Mal. Ein besserer Ort kann nicht gewählt werden. Immerhin werden dort seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Plakate gesammelt. Die Sammlung Grafikdesign mit rund 150 000 Blatt und etwa 100 000 Plakaten zählt heute zu den bedeutendsten in Deutschland.
In diesem Jahr ist der Plakat-Wettbewerb zum zehnten Mal im internationalen Maßstab ausgeschrieben worden. Ins Leben gerufen wurde er unter anderen Prämissen 1966 in der DDR. 65 prämierte Arbeiten des vergangenen Jahres kommen aus Deutschland, 31 aus der Schweiz und vier aus Österreich. Konzipiert hat die Wettbewerbsschau ein Studententeam der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Der Betrachter fühlt sich schnell integriert in das, was ihm an den Aufstellern auf Schritt und Tritt begegnet. Gespickt ist die Plakat-Parade mit einer Reihe von Zitaten. Sie geben der Präsentation außerhalb des „natürlichen Lebensraumes“ des Plakates, der Straße, Würze.
Henning Wagenbreth, heutiger Präsident des 2001 in Berlin gegründeten Vereins „100 Beste Plakate e.V.“, bringt das auf den programmatischen Nenner: „ Inhaltliche und gestalterische Vielfalt von Plakaten sind Ausdruck einer Demokratiekultur, die Widerspruch zulässt, den Mainstream hinterfragt und sich dem Bilderdiktat zentralisierter Massenmedien widersetzt“. Genau darum geht es offensichtlich den Unentwegten, die sich nach der Wende 1989 neu formierten. 2002 war man so weit, den Wettbewerb auf das gesamte deutsche Sprachgebiet auszudehnen und die erste deutsch-österreichisch-schweizerische Auswahl der „100 besten Plakate 01“ zu präsentieren. Die Wettbewerbsausschreibung gibt keine inhaltlichen oder formalen Einschränkungen vor. Willkommen ist eine breite stilistische Palette des Plakat-Designs.
„Der plakative Zwang, Botschaften auf einen Bogen für den schnellen Blick des Flaneurs zu visualisieren, hat die Künstler immer wieder herausgefordert“, wird Ulrich Roloff Momin zitiert. Dafür einige Beispiele: „Kann denn Sünde Liebe sein“, wird augenzwinkernd auf einem „Sündenfall“-Plakat mit Adam und Eva im Mittelpunkt gefragt. Auftraggeber war die Museumsinsel Berlin und als Gestalter/Designer werden Ott und Stein genannt.
Eine der eindrucksvollsten Arbeiten entstammt einer Plakataktion der Regisseurin und Schauspielerin Beate Göbel in den Linzer O-Bus-Haltestellen. Sie sollte dazu anregen, den Blick mehr nach innen zu richten. Inmitten von kleinen wirbelnden weißen Punkten ist auf schwarzem Hintergrund ein Zitat der buddhistischen Nonne L. Yeshe Sangmo zu lesen: „Gedanken sind wie Schneeflocken, die auf eine heiße Herdplatte fallen“.
Emotional geladen sind auch jene Blätter, die den Arten- und Umweltschutz zum Inhalt haben. Dazu zählt das hochaktuelle „Stoppt den Walfang“ mit der aus dem Meer herausragenden Flosse eines Wales auf blutrotem Hintergrund.
Bis 25. 7., Zentrale Eingangshalle im Kulturforum am Potsdamer Platz, Di – Fr 10 – 18 Uhr, Do 10 – 22 Uhr, Sa/ So 11 – 18 Uhr, Eintritt frei
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