Schorfheide (moz) Längere Zeit war ein Berliner Bildhauer im Gespräch. Er hätte ein Atelier an der Schleuse Rosenbeck gehabt und zugleich Fahrradtouristen und Wasserwanderern den Weg gewiesen. Doch der Anwärter auf einen sogenannten Erbbaurechtsvertrag mit 50 Jahren Laufzeit sprang Anfang des Jahres ab.
Seit die Schleuse in dem kleinen Eichhorster Dorfteil im Halbautomatikbetrieb beziehungsweise Selbstbedienung läuft und kein Schleusenwärter mehr gebraucht wurde, stand auch der Schleusenwärterhof leer. Die Gemeinde Schorfheide hat das Anwesen erworben – mit dem Plan, eine Infostation mit Bistrobereich für Touristen daraus zu machen. Um die 6000 Boote sind es schon mal in einer Saison, die sich an dieser Stelle über die Wasserstufe des Werbellinkanal schleusen lassen. Dazu kommen unzählige Radtouristen, die auf dem Fernradweg Berlin-Usedom durch Rosenbeck kommen. Dass das für einen Rastplatz ein durchaus lohnenswertes Potential ist, hoffen nun auch zwei weitere Bewerber für den Ausbau der drei Hofgebäude.
Vorgestellt haben sie ihre Konzepte bereits im Bauausschuss Anfang Juni, öffentlich dann noch einmal vor zwei Wochen im Hauptausschuss der Gemeindevertreter. Nun steht eine Entscheidung an – zwischen einem ganzjährigen Betrieb als „Erlebnishof Rosenbecker See“ und einem „Ruhepol Rosenbeck“ mit Rast- und Service-Station im Schleusenhof. So haben die Interessenten ihre Entwürfe überschrieben. Die einen leben schon in Rosenbeck, die anderen wollen ins Dorf ziehen. Denn nicht nur die lange Vertragslaufzeit hat die Gemeinde zur Bedingung gemacht, sondern auch eine ausschließlich touristische Nutzung der drei Hofgebäude. Verbunden mit dem Erbbaurechtsvertrag ist auch, dass Investitionen zulasten der Pächter gehen.
Hauptsächlich auf Fördermöglichkeiten setzen dabei die Rosenbecker Eileen Meister und Sebastian Wipperfuerth. Sie ist in Rosenbeck aufgewachsen, beide haben einen kleinen Sohn, Ökolandbau in Eberswalde studiert und ihr Konzept für den Erlebnishof seit langem in der Tasche. Stichworte sind darin Schlafen im Heu für bis zu 30 Personen, mehrere Doppelzimmer, Gastronomie mit Brotzeit und regionalen Spezialitäten, ein Tourismus-Infopoint mit Fahrradwerkstatt und Hofladen, ein Wellnessbereich mit Fass-Sauna und Schwitz-Hütte, ein Schau- und Nutzgarten, Haltung kleiner Haustierrassen, Arbeit für Menschen mit Behinderung, Wildkräuterwanderungen, Steinofen-Kochkurse und vieles mehr. 180 000 bis 250 000 Euro wären zu investieren, schätzt das Paar. „20 bis 35 Prozent davon sind gesichertes Eigenkapitalvolumen.“
Aus Xanten (Nordrhein-Westfalen) wollen die früheren Uckermärker Undine und Steffen Hartmann zurück in die Region. Die Intensivschwester und der Kfz-Mechaniker wollen Raststelle und technischen Service mit einer Art Erste-Hilfe-Station inklusive Reiseapothekenbedarf kombinieren. Wenn sie zum Zuge kommen, gibt es einen Hofspielplatz, einfache Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten mit Hostelcharakter, gerichtet an Tagestouristen auf der Durchreise. 350 000 Euro will die Bietergemeinschaft in den nächsten drei bis vier Jahren dafür ausgeben – und stellt 60 bis 65 Prozent Eigenmittel dafür in Aussicht.
Wer den Zuschlag bekommt, entscheiden die Gemeindevertreter heute. Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht hat aber schon mal klargestellt: „Ohne Finanzierungsnachweise werden wir keinen Zuschlag geben.“
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