Danewitz. „Also um 21 (moz) 30 Uhr hatten wir hier 86 Maschinen auf dem Festplatz“, sagt AWO-Stammtisch Chef Hardy stolz. Exakt aufgereiht blitzen die Chromteile der Maschinen in der untergehenden Sonne. Dafür gehen die Lichter am Tresen an und sie schimmern auch aus den aufgebauten Zelten hinter den Büschen.
Ganze Familien haben sich diesmal in Danewitz eingefunden. Der Jüngste ist Max. Mit seinen elf Monaten hat ihn Mami gerade zu Bett gebracht. Seine Eltern Manuela Göllnitz und Mario Krüger kommen aus Pritzwalk. Ob der Kleine schon auf Motorräder steht? „Na zumindest guckt er ihnen immer hinterher“, erzählt der Papa stolz.
Zum 14. Mal hat der Niederbarnim AWO-Stammtisch an diesem Wochenende zum AWO- und EMW-Treffen nach Danewitz eingeladen. Aus Parchim, Schwerin, Kamenz, Demmin, aus Rostock, Stralsund, Sachsen-Anhalt, Bayern und dem Elbe-Elster-Kreis sind Motorrad-Freaks da. Zwei bis drei sind auf ihrer Anreise bereits liegen geblieben. Doch Doris Falkner und Matthias Wieske aus dem österreichischem Feldkirch, die mit etwa 1.200 Kilometern die längste Anreise hatten, gehören nicht zu ihnen.
„In der Nähe von Oranienburg auf der 273 bin ich in den Straßengraben, sonst hätte mich der entgegenkommende LKW platt gemacht“, erzählt Silvio Honrodt aus Schwerin. Der Motor seiner Maschine ist defekt, doch das wird am nächsten Morgen in der mobilen Werkstatt, die es beim AWO-Treffen gibt, in Ordnung gebracht. „Heute wollen wir feiern“, sagt der Schweriner.
Alle sind bester Stimmung. Das zeigen die Männer gern, fachsimpeln vor ihren Maschinen, lassen die Motoren knattern und legen einen tollen Start hin. Wie die wilden Kerle auf der „AWO-Zicke“, die grad Muskel- mit Maschinenkraft mixen. Das Gefährt, Marke Eigenbau, kann sechs bis acht Leute transportieren. Harry Schmidt aus Biesenthal ist der Besitzer. „Sie ist gedrosselt, deshalb muss sie nicht zugelassen werden. Und der Hochstart gelingt, weil ein zusätzliches Getriebe das Krad anders untersetzt“, erzählt er. Mit Karacho und unter dem Beifall der anderen donnert die AWO über den Rasen. Gefolgt vom Blaulicht und Signalhorn eines ehemaligen Polizei-Lada.
„Hier ist alles kultig. Das ist das Ereignis in Danewitz – noch mehr als das Backofenfest“, zeigt sich Ortsvorsteher Friedhelm Gesche begeistert. Schließlich wollte er sich auch immer mal so eine Kiste zulegen, „aber ich habe ja ein gewisses Alter“ meint er, und gibt am Freitagabend gleich noch die Prognose fürs nächste WM-Spiel ab. Klar, dass die hier in einem Extra-Zelt auch die Spiele verfolgt werden können.
Christian Schmidt aus Biesenthal zeigt auf seine AWO – sein absolutes Lieblings-Spielzeug. Die eigentliche Original-AWO steht allerdings daheim auf dem Hof des Pflanzen-Centers Schmidt. „Die hatte mein Vater nach dem Krieg benutzt. Beladen mit Pflanzen war sie damals unser einziges Fahrzeug.“
Das Gefährt, das er jetzt liebevoll betrachtet ist etwas ganz Spezielles. „Wegen der Schwinge hier“, gibt er an. Die sei einst für den Crosslauf vorgesehen gewesen zu einer Zeit, als Ende der 50er Simson-Suhl noch im internationalen Geländesport dabei war. „Zudem ist die Maschine hier höher als alle anderen“, so der Zwei-Meter-Mann, der sie an seine Körpergröße angepasst hat und den dazugehörigen Beiwagen an die Maße seiner Frau. „Ick hab den Rahmen umgeschweißt, sie musste immer Platz nehmen“, so Christian Schmidt, dem der Charme des großen eifrigen Bastel-Jungen aus dem Gesicht sprüht. „Der Sitz ist aus einer alten Tatra-Straßenbahn“, verrät er noch, eher er sich zu den anderen Bikern gesellt, die jetzt gespannt den Kult-Film verfolgen. Es ist ein DDR-Klassiker aus den 50er Jahren: „Sie kannten sich alle“.
Mit einem Bikergottesdienst und einer Ausfahrt am Sonnabend sowie gemütlichem Grillen am Abend setzte sich das Treffen fort. Am Sonntag ging’s nach einem gemeinsamen Frühstück dann wieder auf die Heimreise.
Jeden Mittwoch trifft sich der Niederbarnimer AWO-Stammtisch ab 19 Uhr im „Alten Krug“ Danewitz. Kontaktaufnahme zu dem Verein über Tel.: (03338) 66543
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