Altlandsberg (moz) Seit Montag liegen vor drei Häusern der Stadt Stolpersteine. Sie erinnern an Mitbürger, die zwischen 1933 und 1945 deportiert, vernichtet, verfolgt, hingerichtet wurden, starben: wie Margarete Näfe, Richard Jänsch und die jüdische Familie Borkowsky.
Eine Kelle kratzt übers Gehwegpflaster. Hammerschläge erklingen und werden von Straßenlärm übertönt. Mitten am Tag und mittendrin im Verkehr oder Gedränge auf dem Bürgersteig verlegt ein Mann kleine goldfarbene Quader – umgeben von einer Traube Menschen.
Mancher Passant wundert sich, bleibt stehen, ist neugierig. Schon ist der Effekt erreicht, den der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seiner Aktion Stolpersteine europaweit verfolgt: kein Mahnmal fernab alltäglichen Lebens, sondern kleine, mit einer Messingplatte versehene Steine mit eingestanzter Inschrift, die achtlos zu betreten der Fuß sich weigert, die zum Entziffern der Aufschrift sich zu bücken verlangen und so einer stiller Verbeugung vor den Menschen gleichkommen, an die erinnert werden soll.
An diesem Montag sind es zwei Bruchmühler und drei Altlandsberger frühere Mitbürger, die ein Innehalten im schnelllebigen Alltag fordern. Die Bruchmühlerin Eva Romann hat sich dafür sogar sehr viel Zeit genommen, Recherchen angestellt, in Archiven geforscht, Gespräche geführt, einen Vortrag erarbeitet. Eine Ausstellung in der Alten Schule Bruchmühle zeugt davon, die noch bis in den August zu sehen ist – ein Projekt, das bis Altlandsberg ausgedehnt wurde und sich einreiht in die Aktivitäten zu 100 Jahren Bruchmühle.
Margarete Näfe und Richard Jänsch sind Teil dieser Historie und Altlandsberg die mittlerweile 570. Kommune in Deutschland, die mit Stolpersteinen an Nachbarn, Bekannte, Freunde aus einer dunklen Zeit erinnern will.
Viele sind gekommen an diesem Vormittag in glühender Hitze. Junge und Ältere, Bruchmühler, Altlandsberger und Gäste, Ortsvorsteher, Bürgermeister, Stadtverordnete, der Pfarrer – mehr als 50 Leute wohnen an den beiden Plätzen in Bruchmühle dem Akt der Verlegung bei. Und Eva Romann findet berührende Worte.
Für die parteilose Margarete Näfe aus Radebrück, deren „Verbrechen“ darin bestand, ihre Wohnung 1943 als Treffpunkt für Ostarbeiter und französische Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt zu haben, und die in Petershagen versteckten Juden Essen besorgte. Für den Bruchmühler Zimmermann Richard Jänsch, der „eine kommunistische Gruppe gebildet habe, die bei einem gewaltsamen Umsturz mitwirken sollte“, wie das Gerichtsurteil besagte. Und später für den Altlandsberger Textilkaufmann Egon Borkowsky, dessen Frau Frieda und Sohn Günter – eine jüdische Familie, deren Wurzeln in Altlandsberg bis 1834 zurückreichten, die geachtete Menschen in der städtischen Gemeinschaft waren, sich als Deutsche fühlten.
„Das war ein Freund von Opa“, erklärt Silvia Pfeiffer ihrer Tochter Lena, die aufmerksam zuhört. Dann stoßen noch Drittklässler aus der benachbarten Stadtschule dazu und Rektorin Heidelind Uhlig erklärt, dass das Thema Stolpersteine in den schulinternen Rahmenplan integriert werde. „So wird die Stolperstein-Aktion zu einer sozialen Skulptur“, sagt der Kölner Künstler Gunter Demnig, der schon mehr als 25 000 Steine verlegt hat.
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