Gartz (moz) Von Eva-Martina Weyer
Viele Besucher trotz Hitze: Im Gartzer Ackerbürgermuseum spricht Barbara Glasenapp (4. v. l.) einführende Worte und erleichtert den Besuchern so den Rundgang durch ein Kapitel DDR-Geschichte.
Wie es war, als zu DDR-Zeiten Mangelwirtschaft herrschte, als Feierabendbrigaden Lauben und Einfamilienhäuser hochzogen und Bananen unterm Ladentisch gehandelt wurden – das alles beleuchtet die neue Sonderausstellung im Ackerbürgermuseum Gartz. Sie wurde am Freitag eröffnet.
Der Förderverein Gartz betreibt das Museum seit 1997 und vermag es durch seine Sonderausstellungen, immer ein interessiertes Publikum anzuziehen. So auch am Freitag bei der Eröffnung der neuen Schau „Bückware – von der Verstaatlichung zur Mangelwirtschaft“. Sie ist als Dauerausstellung für die nächsten fünf Jahre geplant und soll ständig ergänzt und aktualisiert werden.
Manfred Arndt, stellvertretender Vereinsvorsitzender, dankte allen Helfern aus der Region, die Exponate für die Sonderschau bereitgestellt haben. „So ist das Thema für die Besucher greifbar geworden“, sagte er.
Einer derjenigen, die aus ihrem privaten Fundus Ausstellungsstücke beisteuerten, ist Dietmar Witt aus Gartz. „Zur Wende haben viele Leute gesagt: Wir bestellen uns einen Container und schmeißen das ganze Zeug weg. So war ich nicht“, erzählt Witt, der viel aufgehoben hat, sammelt und tauscht.
So konnte der 44-Jährige dem Museum beispielsweise einen Einwecktopf aus verzinktem Stahl zur Verfügung stellen. Der Topf ist unbenutzt. Er hat ein intaktes Thermometer und der original Warenschein klebt noch auf dem Blech. „Endverbraucherpreis (EVP) 27 Mark“ steht dort. Mit so einem Topf haben sich zu DDR-Zeiten viele Frauen durch den Sommer gekocht.
Gurken, Schoten mit Mohrrüben, Kirschen, Erdbeeren – alles wurde eingeweckt, damit die Familie im Winter etwas Fruchtiges hatte. Denn aufgrund der Mangelwirtschaft gab es vor allem im ländlichen Raum viele Delikatessen nicht zu kaufen.
Der Einwecktopf erzählt nur einen Aspekt des Ausstellungsthemas, das durch andere Exponate und vor allem Fotografien vielfältig beleuchtet wird. Das Konzept der Schau hat die Fördermittelgeber, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, überzeugt. Wolfgang Blaschke vom Ehm Welk- und Heimatmuseum Angermünde lobte: „Dass die Gartzer Ausstellung so gut gelungen ist, hat mit dem Engagement der Leute zu tun.“
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung, Tel. 033332 86044.
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