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Henning Kraudzun 12.07.2010 20:06 Uhr - Aktualisiert 12.07.2010 20:27 Uhr

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Gute Geschäfte in der Medizin

Berlin (moz)

Berlin (MOZ) Die Gesundheitswirtschaft gilt als Zukunftsbranche für die Hauptstadtregion. Bislang waren die Förderaktivitäten in Berlin und Brandenburg schlecht aufeinander abgestimmt. Das soll sich nun ändern.

Die gestern besiegelte Kooperation sei ein „Sprung nach vorn“, sagt Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Zwar gebe es seit 2007 einen länderübergreifenden Masterplan für die Gesundheitsbranche, allerdings habe es bei der Umsetzung „Reibungsverluste“ und „ungeklärte Zuständigkeiten“ gegeben. Jetzt soll ein Verbund von Wirtschaftsfördergesellschaften beider Länder die Entwicklung voranbringen. Auch Daniel Rühmkorf, Staatssekretär im brandenburgischen Gesundheitsministerium, spricht von einem „neuen Schwung“. Ziel sei, die Region zum leistungsstärksten Zentrum der Gesundheitswirtschaft in Deutschland auszubauen. Unter anderem in der Medizintechnik seien Kooperationen bereits „gut gelungen“.


Ebenso sei Telemedizin ein „Paradebeispiel“, wie Vorhaben gemeinsam entwickelt und vermarktet werden können, sagt Steffen Kammradt, Chef der Zukunftsagentur Brandenburg, die zusammen mit der TSB Innovationsagentur und Berlin Partner das neue Management bildet. So wurde die Idee zum Telemedizin-Projekt „Fontane“ an der Charité und am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut entwickelt, angewendet werde es bis 2013 in Nordbrandenburg. Den teilnehmenden Herz-Kreislauf-Patienten wurden Geräte ausgehändigt, die Blut aus dem Finger abzapfen und anschließend analysieren können. Das Gerät sendet die Werte dann per Mobilfunk an einen Facharzt etwa in der Charité. „Das Projekt hat bundesweit für Furore gesorgt“, sagt Kammradt. Auch neue Verfahren in der Diagnostik, die Berliner und Brandenburger Wissenschaftler entwickeln, seien gefragt.
Die Gesundheitswirtschaft ist eine der Branchen mit den größten Wachstumspotenzialen. In einer Umfrage aus dem Vorjahr gaben 40 Prozent der in dem Bereich tätigen Brandenburger Firmen an, in den kommenden Jahren neue Jobs zu schaffen, in Berlin sind es gar 60 Prozent. Bereits heute fehlen dort Fachkräfte. Die Branche setzt in beiden Ländern jährlich 14,2 Milliarden Euro um und zählt 350 000 Beschäftigte, die unter anderem in 160 Kliniken, 570 Pflegeheimen sowie bei 9800 niedergelassenen Ärzten arbeiten. Ebenso sind in den innovativen Sparten Biotechnologie und Medizintechnik mittlerweile 440 Unternehmen am Markt.


Bei der Ausbildung von Ärzten wird sich indes vorerst nichts ändern, machten Wolf und Rühmkorf deutlich. Das Medizinstudium werde auch künftig nur in Berlin angeboten, Brandenburger Kliniken wollen aber weiter mit „attraktiven Praktikumsplätzen“ um angehende Ärzte werben, sagt Rühmkorf. Ab kommenden Jahr sollen zudem gezielt ausländische Studenten für ihre praktische Ausbildung in die Mark gelockt werden, die Angebote sollen in den Kursplan der Charité eingearbeitet werden.


Auch wenn einige märkische Krankenhäuser bereits Aufwandsentschädigungen für Praktika zahlen, dürfe man beim Werben um angehende Ärzte „nicht in einen desaströsen Wettbewerb“ treten, so der Staatssekretär. Nicht zuletzt hofft das Gesundheitsministerium auf eine neue Kooperation mit der Charité, damit wieder mehr Berliner Studenten an brandenburgischen Kliniken hospitieren. In Brandenburg fehlen bereits jetzt hunderte Ärzte.



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