(moz) Der Rücktritt Ole von Beusts als Hamburgs Erster Bürgermeister hat das auslösende Ereignis samt seiner Dimensionen zunächst abgedrängt: Die Riesenklatsche, die die Bürger der Politik mit dem Volksentscheid gegen die schwarz-grüne Schulreform am Sonntag beschert haben. Denn das Votum der knapp 280 000 Hamburger erfolgte gegen die vereinte Front aller im Landesparlament vertretenen Parteien – von CDU, über SPD und Grünen bis zur Linken – samt mächtigen Verbündeten in Medien oder Gewerkschaften. Der Volksentscheid gegen sechsjährige Primarschulen war somit auch bürgerliche Revolte gegen „die da oben“ – und es wird im nachhinein umso unverständlicher, wie hochmütig Beust diesen seit längerem anschwellenden Großärger gerade in der eigenen Wählerschaft ignorieren konnte.
Denn eins zeigt sich stets: wenn es um die Bildung ihrer Kinder geht, verstehen Deutschlands Eltern keinen Spaß. Roland Koch erlitt 2008 in Hessen eine Wahlniederlage auch wegen der Proteste gegen das „Schnell-Abitur“ nach acht Jahren. Parteifreund Jürgen Rüttgers musste bei der NRW-Wahl im Mai wegen dergleichen Sache Federn lassen. Auch die SPD wurde schon wegen der Bildungspolitik abgestraft, so in NRW in den 70ern beim Volksbegehren gegen die „kooperative Schule“ und demnächst vielleicht wieder wegen des unter Hannelore Kraft angestoßenen massiven Gesamtschulausbaus.
In Hamburg stehen nun die Grünen mit leeren Händen da, denn die Schulreform war ihr wichtigstes Koalitionsthema, nachdem man andere Kröten schlucken musste. Es fragt sich, ob Schwarz-Grün an der Elbe noch Bestand haben kann. Bei der CDU aber bleibt die bange Frage, was diese Partei geritten hat, in Hamburg bei einem ihrer letzten Markenzeichen – Engagement für ein gegliedertes Schulwesen – auf links-grünen Kurs einzuschwenken. Man kann in dieser Sache gewiss streiten. Es gibt aber weiter gute Argumente gegen all zulange Grundschulen, die den einen Schüler über- und den anderen unterfordern. Dass Beust – assistiert von Merkels Bundespartei – hier Politik gegen die eigene Basis gemacht hat und darüber nicht mehr diskutieren wollte, war ein schwerer Fehler. Das Volk hat sich gerächt.
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