Donnerstag, 2. September 2010

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Viola Petersson 24.07.2010 08:30 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Glasmachern über die Schulter geschaut

Joachimsthal (moz) Chemische Apparaturen, Medizintechnik, Vasen, Fingerringe, Perlen, Schalen, Fensterbilder, Murmeln oder auch Fassadengestaltung – Glas ist, trotz seiner Zerbrechlichkeit, ein überaus vielseitiges Material. Und ein schöner Werkstoff. Davon können sich derzeit die Besucher der Grimnitzer Glastage überzeugen.

  © moz

Die dritte Auflage, die am Donnerstagnachmittag in Grimnitz eröffnet wurde, steht ganz im Zeichen des zehnten Geburtstages des Glashüttenvereins. Bis zum 1. August (11–17 Uhr) gewähren dort elf Glasgestalter aus fünf Bundesländern Einblick in das alte Handwerk. Ein Handwerk, das eine lange Tradition in der Region hat, wie Vereinsvorsitzender Norbert Knabenbauer betont. Bekanntlich war die erste Brandenburger Glashütte 1575 auf der Burg Grimnitz aufgebaut worden. Mit der Inbetriebnahme des Schmelzofens 2008 knüpfte das Team um Norbert Knabenbauer an diese historischen Wurzeln an. Auch wenn man selbst „auf einem guten Weg“ sei, so der Vereinsvorsitzende, müsse man doch zur Kenntnis nehmen, dass sich „die Szene der Glasbläser und -gestalter eher im Abwärtstrend“ befindet. In der Branche machen sich Existenzängste breit. Inzwischen sei die Glashütte am Grimnitz sogar die einzige zwischen Rostock und Lauscha, glaubt der Vereinsvorsitzende zu wissen.

Barbara Ebner von Eschenbach (31) aus Berlin, erstmals in Joachimsthal mit von der Partie, bestätigt: „Durch den extrem hohen Energiebedarf sind Glasprodukte in Deutschland sehr teuer.“ Sie habe ihre Entscheidung, Glasmacher zu werden, zwar nicht bereut, aber leben könne sie derzeit nicht von diesem Handwerk. „Ich würde gern wieder langfristig in diesem Beruf arbeiten“, wünscht sich die junge Frau deshalb.

Wiebke Matthes (28), ebenfalls aus Berlin, hat etwas mehr Glück. Sie ist als Glasapparatebauerin an der Technischen Universität angestellt. „Und die Kunst mache ich nebenbei, in der Freizeit.“ Zu ihrem Repertoire gehören Schmuck, Perlen und Murmeln. Bereits das dritte Mal dabei ist Frank Krause aus Wertheim. Er hat eine kleine Firma, die Werbeartikel aus Glas herstellt. „Ich bin gern hier. Es macht Spaß und wir verstehen uns alle toll“, so der Glasgestalter, der seinerzeit den Glasofen an den Verein verkauft hat und sogleich in ein Fachgespräch mit dem Physiker Jürgen Fischbeck „verwickelt“ wird.

Susanne Reinicke und einige ihrer Bekannten sind unterdessen schon fündig geworden. Sie haben sich für einen Fingerring von Norbert Horenk aus dem Oderbruch entschieden. „Das Ambiente hier ist einfach nett.“ Dem kann Frank Krause nur beipflichten. „Es ist richtig urig. Ich hoffe, dass das so bleibt.“

Vizelandrat Carsten Bockhardt sichert dem Glashüttenverein jedenfalls auch künftig die Unterstützung des Landkreises zu. Dies ebenso mit Blick auf das umfassende Repertoire des Teams. „Es ist ja nicht nur die Glashütte. Sie betreiben gleichzeitig eine Galerie, ein kleines Museum und unterhalten die Ruine“, lobt Bockhardt. Amtsdirektor Dirk Protzmann ergänzt: „Ohne den Verein wäre die Burgruine heute noch in privater Hand.“

Am heutigen Sonnabend wird um 15 Uhr in der „Grimnitzer Glasstube“ in Neugrimnitz die Ausstellung „Sand – Kalk – Soda“ mit Werken von Walter Bahr eröffnet.

Förderverein führt 
Tradition 
an historischer Stätte fort



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