Schwedt (moz) Atomkraftgegner aus Schwedt protestierten gestern vor dem Wahlkreisbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen und forderten diesen auf, sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Verzicht auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke stark zu machen. Doch die lautstarken Forderungen der Aktivisten verklangen im Mittagsverkehr der Berliner Straße. Der Bundestagsabgeordnete weilt im Urlaub, hat aber bereits im Vorfeld ein Gesprächstermin angeboten. Auch sonst erntete die kleine Gruppe nur wenig Resonanz bei den Passanten.
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Aus dem Megafon kommen rhythmische Klänge, Plakate und Transparente liegen bereit, Flyer werden verteilt. Doch trotz ernstem Thema scheinen die Schwedter Atomkraftgegner etwas verloren auf weiter Flur. Denn der, an den sich ihr Protest vor allen Dingen richtet, ist nicht da. CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Umweltausschusses Jens Koeppen macht Sommerurlaub. Zu einer politischen Auseinandersetzung zum Thema Atomkraft kommt es so nicht. „Herr Koeppen hat uns aber ein Gesprächsangebot gemacht und das werden wir auch annehmen“, erklärt Jens Behrmann. Sein Ziel und das der anderen wenigen Mitstreiter ist klar umrissen: „Es geht uns um Aufklärung über die Energiepolitik der Bundesregierung. Endlich soll der Atomausstieg greifen, da versucht die Atomlobby den Ausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.“
Der Ausstieg aus der Atomenergie wurde vor zehn Jahren von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen. In Zeiten steigender Ölpreise und der Debatte um den Klimaschutz gewinnt die Atomkraft wieder an Befürwortern. Der Ausstieg vom Ausstieg könnte bereits im Herbst beschlossen werden. „Es liegen drei von der Regierung beauftragte Studien vor, die zeigen: Wir brauchen keine Laufzeitverlängerung, um Versorgungssicherheit zu leisten. Eine Stromlücke wird es nicht geben“, versuchen die Atomkraftgegner Jens Koeppen in dem offenen Brief vom Gegenteil zu überzeugen. Am 18. September wollen sie gemeinsam mit Aktivisten aus ganz Deutschland vor dem Regierungsviertel demonstrieren.
Dass sich in Schwedt nur wenige gegen Atomkraft starkmachen, läge an mangelndem Wissen und Interesse, vermuten die Atomkraftgegner. „Politisches Einmischen wird als unerfreulich abgelehnt“, glaubt Anita Schwaier. „Das Angebot an Fakten ist so groß wie nie, aber die persönlichen Interessen erscheinen wichtiger als die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.“

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