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sven klamann 27.07.2010 19:24 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Tiefe Sorge um Wirtschaftsstandort

Eberswalde (moz) Der massive Personalabbau im Walzwerk Finow hat Ängste um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Eberswalde geschürt. Vertreter von Kreis, Stadt und Gewerkschaft sind entsetzt darüber, dass 61 der noch 203 Beschäftigten zum 1. August gehen müssen. Sie alle bieten Patrick von Hertzberg, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Traditionsbetriebes, in tiefer Sorge um die weitere Entwicklung an, ihre unterschiedlichen Kontakte zur Brandenburger Landesregierung zu nutzen. Zugleich sehen sie sich außerstande, mit denen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die wirtschaftliche Schieflage des Walzwerkes zu beenden.

„Die sich zuspitzende kritische Situation in dem für Eberswalde so wichtigen Unternehmen ist für die gesamte Region ein Schlag ins Kontor“, sagt Carsten Bockhardt, der im Kreishaus das Dezernat für Kreisentwicklung leitet und den im Sommerurlaub befindlichen Landrat vertritt. Die Metallbranche sei für Eberswalde auch deshalb von Bedeutung, weil sie einer der Gründe für die Landesregierung gewesen sei, der Stadt den finanziell vorteilhaften Status als Wachstumskern zu gewähren. „Auch wenn es den von der Kündigung Betroffenen und Herrn von Hertzberg vielleicht wenig tröstet, will ich nicht verhehlen, dass mich diese Krise betroffen macht“, betont der Dezernent.

Für Lutz Landmann, den ersten Beigeordneten im Eberswalder Rathaus und Stellvertreter des ebenfalls im Urlaub weilenden Bürgermeisters, sind die Nachrichten aus dem Walzwerk ebenfalls alles andere als beruhigend. „Die Kette der Hiobsbotschaften für die Stadt reißt nicht ab. Der Kampf um Polizeiwache, Amtsgericht, Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft ist noch nicht ausgestanden, da müssen wir um einen unserer wichtigsten Industriebetriebe bangen“, sagt er.

Für Durchhalteparolen sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, findet auch Peter Ernsdorf, der Bevollmächtigte der IG Metall Ostbrandenburg, der die Situation im Walzwerk nach eigenen Angaben nur zu gut kennt. „Ohne eine externe Finanzierungsquelle und verlässliche Partner aus der Industrie dürfte es um die Aussichten für den Betrieb düster bestellt sein“, urteilt der Gewerkschaftsfunktionär, der sogar einen Tod auf Raten nicht ausschließt. Technik und Fuhrpark des Walzwerkes seien relativ veraltet, Investitionen in Größenordnungen daher eigentlich unverzichtbar.

„Deshalb befürchte ich, dass der Personalabbau allein nicht genügt, das Unternehmen wieder flott zu machen“, sagt Peter Ernsdorf, der es indes begrüßt, dass wenigstens die 29 Auszubildenden des Walzwerkes von der aktuellen Entlassungswelle verschont geblieben sind.

Für die Schwierigkeiten des Walzwerkes macht der Geschäftsführer vor allem den Anstieg der Stahlpreise und den gesunkenen Umsatz verantwortlich. „Uns fehlt es an Aufträgen“, betont Patrick von Hertzberg.

Hingegen sagt der Choriner Stahlhändler Ingo Würfel, dass er schon seit Jahren vergeblich versuche, vom Walzwerk Rohre und Kastenprofile zu kaufen. „Ich bin an 20 bis 30 Tonnen pro Jahr interessiert, werde aber immer wieder aufs Neue vertröstet“, bedauert der Mittelständler.

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