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Oliver Köhler 29.07.2010 06:05 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Wahlkampf an Laterne 53 mit Nachspiel

Bernau (moz) Wenn Péter Vida Wahlkampf macht, dann nimmt er ihn auch ernst. Das war auch im vergangenen Herbst so. Da nämlich trat er zunächst als Kandidat der Listenvereinigung Freie Wähler/Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen für den Einzug in den Brandenburger Landtag an. Und kurz darauf folgte seine Bewerbung für den Sessel des Verwaltungschefs im Bernauer Rathaus.

Aus beidem wurde nichts. An Péter Vidas Engagement hat es nicht gelegen. So hängte der Jurastudent nicht nur zahlreiche Plakate an die Laternen der Stadt, sondern fuhr auch regelmäßig Patrouille, um sicherzugehen, dass diese ihre Wirkung nicht verfehlen. „Es ist immer eine Gratwanderung. Hängen die Schilder zu hoch, können Autofahrer sie nur schwer lesen. Hängen sie zu niedrig, werden sie heruntergerissen“, weiß er aus früheren Wahlkämpfen.

An der Laterne 53 an der Börnicker Chaussee hing das Plakat dieses Mal eindeutig zu niedrig. So niedrig jedenfalls, dass es ohne große Probleme heruntergerissen werden konnte.

Ein paar Mal hatte Vida solche Plakate auf seinen nächtlichen Kontrollfahrten, die er alle paar Tage durchführte, schon entdeckt. Dreimal hatte der Stadtverordnete auch schon eine Anzeige „gegen unbekannt“ erstattet. Obwohl er wusste, dass dies wenig Hoffnung auf Erfolg haben würde.

Doch dieses Mal war es anders. Aus Richtung Börnicke kommend war er gegen 2 Uhr in der Nacht an einer Gruppe junger Männer vorbeigefahren. Sie seien ihm gleich verdächtig vorgekommen, sagt er jetzt vor Gericht aus. Als er dann am Kreisverkehr an der Bahnhofspassage abgerissene Plakate anderer Parteien entdeckt habe, sei er sofort umgedreht – und gerade rechtzeitig gekommen, um zu sehen, wie sich jemand an seinem Konterfei zu schaffen machte. „Mit beiden Händen zog der Täter es herunter und ließ es einfach auf dem Boden liegen“, beschreibt er, was er sah.

Auch den Täter will er im Vorbeifahren erkannt haben. Christian Schulz, ein Mitarbeiter des Bernauer Jugendklubs „Dosto“, soll es gewesen sein. Vida kennt ihn, weil Schulz vor zwei Jahren bei der Kommunalwahl kandidierte.

Der Name fiel ihm trotzdem nicht sofort ein. Der Verteidiger wundert sich, dass Vida der Polizei einen anderen nannte, als er den Vorfall am Telefon gemeldet hatte. Auch Schulz’ Glatze und den auffälligen Bart habe er gegenüber den Beamten zunächst unerwähnt gelassen.

„Ich konnte das Gesicht, das ich gesehen habe, nicht sofort dem richtigem Namen zuordnen“, rechtfertigt sich Vida. Das habe er später nachgeholt. Als ihm die Polizisten, die Schulz erwischten, den richtigen Namen genannt hätten, fragt der Anwalt nach. Er habe den Mann eindeutig erkannt, das sei wichtig, gibt sich Vida nun trotzig.

„Und die anderen Personen? Haben Sie die auch erkannt?“, will der Verteidiger wissen und spielt auf eine Pressemitteilung an, die Vida kurz nach dem Vorfall veröffentlichte. Da schreibt er nämlich von fünf Personen aus dem „Dosto“.

„Unglücklich formuliert“, gibt der 1983 geborene Kommunalpolitiker zu. „Sie wissen doch, wie das in der Presse ist. Da muss man manchmal drastischer formulieren.“ „Sie haben die Personen also bewusst diffamieren wollen?“, wundert sich der Verteidiger weiter. „Nein, schließlich sei die Zuordnung zu einem Jugendklub nicht diffamierend“, lautet die Antwort.

Ganz ausräumen kann Vida die letzten Zweifel dennoch nicht. Zumal bekannt ist, dass Mitarbeiter des eher linksorientierten „Dostos“ ihn immer wieder anfeinden und Vida sich mit Anträgen in der Stadtverordnetenversammlung dafür revanchiert.

Für den Richter ist aber klar, das Schulz die Tat begangen haben muss, auch wenn der während des Prozesses schweigend auf seine Hände starrt. Hart bestraft wird er nicht. Auch weil Schulz bislang keine Vorstrafen hat. Das Verfahren wird eingestellt. Dafür muss der Azubi 30 Arbeitsstunden ableisten, allerdings nicht im „Dosto“. „Man muss den politischen Gegner akzeptieren, auch wenn es schwer fällt“, gibt er Schulz als Rat mit auf dem Weg.

Péter Vida indes wird er wohl schon bald wiedersehen. Denn zwei andere Personen hat dieser auch noch beim Plakateabreißen erwischt – und angezeigt.



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