Eisenhüttenstadt (moz) Insgesamt 8500 Euro hat der Verkauf der Kraftwerksruine aus dem Zweiten Weltkrieg dem Land Brandenburg gebracht. Der Historiker Axel Drieschner zeigt sich besorgt über den Vorgang und vermutet, dass sich die Behörden auch dem dunklen Kapitel dieser Geschichte nicht stellen wollten. Das Land sah keinen Bedarf mehr an dem Areal.
„Das Land wollte das Kraftwerk schon immer loswerden“, sagt der Berliner Historiker Axel Drieschner. Bereits vor Jahren habe es einen Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem Land über die Zuweisung des Geländes gegeben. „Keiner wollte es haben, da es ja auch Kosten verursacht.“ Doch letztlich wurde das 178 240 Quadratmeter große Areal im Naturschutzgebiet zwischen Oder und Kleingartenkolonie sowie Vogelsang und Fürstenberg dem Land zugewiesen. „Seitdem war das nur eine Belastung“, so Drieschner. Insofern sei der Verkauf, der sich bereits im Frühjahr vollzogen hat, „ein gutes Geschäft für das Land“. Nun habe man keinen Aufwand und keine Arbeit mehr, das Gebiet und die Ruine zu sichern. Aus dem Finanzministerium in Potsdam war zu hören, dass man das Areal hätte neu einfrieden lassen müssen, um der Sicherungspflicht nachzukommen. Das ist nun von Landesseite aus nicht mehr notwendig.
Wie sich gestern aufgrund eines Beitrags in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Industriekultur“ herausstellte, sind das Gelände und die Ruine des Kraftwerkes am 10. April von der Karhausen Immobilien GmbH in Berlin versteigert worden. Der Käufer erhielt den Zuschlag für 8500 Euro, heißt es in der Zeitschrift für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte. Der Name des neuen Eigentümers wird auch hier nicht genannt. Ein Umstand, der Axel Drieschner und seine Kollegin Barbara Schulz besorgt. Beide beschäftigen sich seit Jahren mit dem heutigen Eisenhüttenstädter Ortsteil und einstigem Städtchen Fürstenberg (Oder), das sich im Zweiten Weltkrieg zu einem Investitionsschwerpunkt kriegswichtiger Industrien entwickelte. Schon vor einem Jahrzehnt haben Drieschner und Schulz angeregt, den historischen Kraftwerksbau, der zwischen 1943 und 1945 von Kriegsgefangenen des nahegelegenen Stammlagers (Stalag) III B und jüdischen Zwangsarbeitern errichtet wurde, unter Denkmalschutz stellen zu lassen. „Aber man hat die Entscheidung immer aufgeschoben“, sagt Drieschner. Wiederholt habe es nur „hinhaltende Auskünfte“ gegeben. „Wir vermuten einerseits, dass man sich den Gründen nicht verschließen kann, dass die Ruine alle Bedingungen erfüllt, die so ein Denkmal erfüllen muss. Aber andererseits denken wir, dass man sich den schwierigen politischen Hintergründen, also einer – in Anführungszeichen – Altlast, eigentlich nicht stellen möchte.“
Der Historiker empfindet den Verkauf als Verlust. Zumal man nicht wisse, was der neue Eigentümer vorhat. Da die Ruine als Fledermausquartier gelistet ist, darf laut Auktionshaus-Katalog nicht abgerissen werden. Die Naturschutzbehörde empfehle für das Grundstück eine naturnahe Waldvegetation, heißt es. Dennoch bleibt die Unsicherheit, dass das historische Areal, für das ein Mindestgebot von 3000 Euro gefordert war, verschwindet. Drieschner will deshalb noch einmal an das Landesdenkmalamt herantreten.
Da wird er erneut die Gründe vorlegen, warum die Kraftwerksruine als Denkmal erhaltenswert ist. Erstens sei sie ein authentisches Mahnmal für die Opfer des Stalag III B. Zweitens sieht er eine regionalgeschichtliche Dimension: Der Brennstoff für das Kraftwerk der Märkische Elektrizitätswerk (MEW) AG sollte aus einer naheliegenden Braunkohlegrube kommen. Die Ruine erinnere also an den Kohleabbau und sei das letzte vorhandene große Kraftwerk des MEW. Das habe als sogenanntes „Einheitskraftwerk“ zudem eine baugeschichtliche Bedeutung.
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