Bernau/Eberswalde (moz) Die Zahl älterer Menschen nimmt in den Kommunen am Berliner Rand in den nächsten 20 Jahren zu. So lautet die Prognose der Bertelsmann-Stiftung für die Kommunen von Werneuchen bis Wandlitz. Eine für alle Besucher offene Fachtagung im Kreishaus befasst sich jetzt mit der Frage, wie sich Städte und Gemeinden auf diese Entwicklung einstellen können.
Freude im Alltag: Der Platz am Steintor in Bernau ist ein beliebter Treffpunkt. Hier genießen Eva Kosewsky, Karl-Heiz und Irene Reck (v.l.) ihr Eis.Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Auch wenn sich die Prognose der Bertelsmannstiftung über die Bevölkerungsentwicklung auf einen langen Zeitraum bezieht und nicht in jedem Fall hundertprozentig bestätigt werden dürfte, gibt sie doch einen deutlichen Trend vor: In den Kommunen rund um Berlin werden immer mehr ältere Menschen leben. In Bernau wird sich die Zahl der 65- bis 79-Jährigen vom Jahr 2006 bis 2025 um 48,4 Prozent erhöht haben, so die Vorhersage der Stiftung. Im Niederbarnim liegt Bernau damit noch am unteren Ende der Skala. Geringer ist der Anstieg der gleichen Altersgruppe nur noch in Biesenthal. Aber auch dort beträgt er immerhin 42,2 Prozent. Kräftiger wird die Gruppe der 65- bis 79-Jährigen in Wandlitz (um 53,3 Prozent), in Werneuchen (um 61,4 Prozent), in Panketal (um 88,7 Prozent) und vor allem in Ahrensfelde (um 131,1 Prozent) wachsen.
In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass in 15 Jahren in Bernau 8203, in Wandlitz 5034, in Panketal 4652, in Ahrensfelde 3184, in Werneuchen 1834 und in Biesenthal 1322 Menschen im Alter 65 bis 79 Jahren leben werden.
Auch die Gruppe der 45- bis 64-Jährigen wird laut Prognose in den jeweiligen Kommunen ansteigen, wenn auch nicht so stark (zwischen rund 17 und 38 Prozent). Die Zahl der 25- bis 44-Jährigen wird sich dagegen überall verringern (zwischen rund 16 und 27 Prozent).
Die Entwicklung vor Ort bestätigt den Trend bereits. Die kommunale Wohnungs- und Baugesellschaft (Wobau) hat bereits vor einigen Jahren damit begonnen, Seniorenwohnungen einerseits neu zu errichten (Marienhöfe) oder Wohnblöcke mit Aufzügen barrierefrei und mit neuen Grundrissen (größere Bäder) auszustatten (Bernau-Süd, jetzt Sachtelebenstraße). In der Kirchgasse entstehen weitere barrierefreie Seniorenwohnungen. In Panketal, so weiß der dortige Seniorenbeirat, sind barrierefreie Wohnungen gefragt. Zum Beispiel von Anwohnern, die ihr zu groß gewordenes Einfamilienhaus mit Garten aufgeben wollen, oder deren Eltern in die Nähe der „Kinder“ ziehen wollen. In Werneuchen wurde vor wenigen Jahren in der Altstadt ein Seniorenzentrum neu errichtet. In Wandlitz wird gegenwärtig über die Errichtung von mindestens zwei Seniorenresidenzen nachgedacht. Ahrensfelde plant ein Begegnungszentrum mit ambulanten Angeboten.
Die Schaffung von Wohnraum ist jedoch nur ein erster Baustein auf dem Weg zur altengerechten Stadt. „Was benötigt eine Kommune, um älteren Menschen Wohn- und Lebensqualität zu bieten?“, fragt das Zentrum für Bewegungsförderung Brandenburg „Gesundheit Berlin-Brandenburg“ und lädt zu einer Fachtagung am Donnerstag, 16. September, in das Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde ein. Die Tagung richtet sich nicht nur an Kommunalpolitiker und Mitarbeiter von Verwaltungen, sondern auch an Vertreter des Kreissportbundes, von Sportvereine, kommunalen Seniorenvertretungen, Ehrenamtlern, freien Trägern, Wohnungsunternehmen, Krankenkassen, Trägern der Altenhilfe und viele andere mehr.
In Fachvorträge geht es um die Themen „Altern in unserer Gesellschaft“ sowie „Wege zu einer altengerechten Stadt“. Workshops widmen sich den Wohnungsunternehmen, der Barrierefreiheit und generationsverbindenden Angeboten. Vertreten sind Referenten der Fachhochschule Potsdam, der TU Berlin, von Wohnungsunternehmen und -genossenschaften sowie Vereinen und Verbänden.
Die Tagung beginnt um 9.30 Uhr (Anmeldung, Eröffnung 10 Uhr) und dauert bis gegen 15.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Infos unter www.gesundheitberlin.de.
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