Frankfurt/Oder (moz) In Brandenburg gibt es unzählige Obstbäume. Doch oftmals kümmert sich niemand um die Früchte und sie vergammeln. Das ärgerte einige junge Menschen – sie schufen daher die Internetplattform „Mundraub“, auf der Standorte frei zugänglicher und herrenloser Obstbäume veröffentlicht sind.
Eine Allee irgendwo in Brandenburg. Preußisch korrekt stehen an den Seiten Apfelbäume in Reih und Glied. Weniger korrekt sind allerdings die Obstflecken auf der Straße. Sie stammen von heruntergefallenem Obst. Häufig werden die vitaminreichen Früchte nicht geerntet, sondern verfaulen und landen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. „Oft fühlt sich keiner für das Obst verantwortlich“, sagt Kai Gildhorn, einer der Macher der Webseite Mundraub.org. „Egal ob auf Alleen, verlassenen Gärten oder Grundstücken, überall stehen Bäume mit leckeren Früchten, die nur darauf warten, gepflückt und verspeist zu werden.“
Die Idee zu der Internetseite entstand zusammen mit Katharina Frosch, einer guten Freundin, auf einer Paddeltour durch Sachsen-Anhalt. Dabei fiel ihnen das reichhaltige und ungenutzte Obst am Ufer auf. Dieser Zustand ärgerte die beiden und so kamen sie auf die Idee, eine systematisch angelegte Übersicht über die herrenlosen Obstbäume anzulegen. „Wir haben überlegt, wie man diese kostbaren Ressourcen nutzen kann, anstatt sie einfach vergammeln zu lassen – ohne dabei etwas Illegales zu tun“, erzählt Gildhorn. Gemeinsam schuf man die Webseite. „So wollen wir nach und nach eine immer umfassendere Übersicht des kostenlosen Obstangebotes schaffen und den Mundraub wieder salonfähig machen“, sagt der 37-Jährige.
Allerdings ist es nicht Absicht der Initiative, zu Aktionen wie Obstdiebstahl oder Hausfriedensbruch aufzurufen. „Wir stellen nur von ihren Besitzern freigegebene Bäume online. Uns ist es wichtig, ohne schlechtes Gewissen mundräubern zu können“, erklärt Gildhorn. Neben der finanziellen Komponente zählt für ihn und seine Mitstreiter vor allem der nachhaltige Gedanke. „Auf der einen Seite werden Äpfel und anderes Obst aus aller Herren Länder hierher transportiert, auf der anderen Seite haben wir vor unserer Haustür die kostbarsten Früchte – und das sogar für lau“, sagt der gebürtige Stralsunder. Die Plattform wurde im November 2009 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Im Schnitt besuchen täglich etwa 200 Mundräuber die Internetseite. „Aber es gab auch schon Tage, an denen 2000 Interessierte auf das Portal zugegriffen haben“, berichtet Gildhorn. Mittlerweile seien schon über 800 Pflück-Tipps auf der interaktiven Landkarte eingetragen worden. Schwerpunktmäßig wurden bislang besonders die Gebiete in und um Berlin sowie in Mecklenburg-Vorpommern ausgewiesen. Wer es etwas exotischer mag, findet auf dem Portal aber auch Tipps, wo man kostenlos Feigen auf Gran Canaria, Orangen in Marokko oder Wildkirschen auf einer kleinen skandinavischen Insel pflücken kann.
Zusätzlich gibt es auf der digitalen Karte auch die Kategorien Kräuter, Beeren, Nüsse sowie Cafés und Mostereien. Demnächst möchte Kai Gildhorn das Angebot im Internet noch weiter ausbauen. „Wir planen, auch Biohöfe und Landhotels mit auf der Website aufzunehmen. Die Städter sollen so nicht nur Zeit, sondern auch ein wenig Geld im ländlichen Raum lassen.“ Doch zunächst hofft man natürlich auf viele weitere Tipps von Hobby-Pflückern, die ihre Fundorte mitteilen wollen. „Gerade im Osten Brandenburgs gibt es noch viele schöne Alleen und verlassene Bäume, die wir noch nicht registriert haben.“ www.mundraub.org
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