Berln (DDP) Der Zentrale Runde Tisch in der Wendezeit war nach Darstellung des letzten DDR-Innenministers Peter-Michael Diestel maßgeblich von Stasi-Informanten bestimmt. „Es war schon eine historische Merkwürdigkeit, dass am Zentralen Runden Tisch - wie auch in allen anderen regionalen Gremien dieser Art - eine beachtliche Zahl von Stasi-IM platziert war. Es waren nach meiner Berechnung immerhin über 50 Prozent“, sagte Diestel der Zeitschrift „Super Illu“ laut Vorabbericht vom Mittwoch. Es sei ein „unschlagbarer Witz der Geschichte - die, die sich am lautesten und schärfsten für die Stasi-Auflösung einsetzten, waren Mielke-Leute.“
Der Zentrale Runde Tisch hatte vom 7. Dezember 1989 an Vertreter der damaligen DDR-Opposition und der Modrow-Regierung zusammengeführt. Diestel äußerte auch Zweifel an der Motivation vieler Beteiligter am Sturm auf die Berliner Stasi-Zentrale in der Normannenstraße. Es sei letztlich auch darum gegangen, „brisante Akten, soweit sie sich zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch im Haus befanden, für die eigenen Belange zu sichern.“
So hätten MfS-Leute und Mitglieder westlicher Geheimdienste „maßgeblich den Ablauf der Aktion“ bestimmt. Die Akten, die er selbst als Minister übernommen habe, seien „bereits gefleddert, geschreddert, den Medien zur Veröffentlichung zugespielt oder an wen auch immer verteilt“ worden - vieles „mit Wissen und mit offizieller Billigung der Stasi-Kontrolleure vom Runden Tisch“. Nach seiner Schätzung sei „ein Drittel - und zwar das brisanteste Material“ nicht mehr vorhanden gewesen. Diestel war vom 12. April bis 3. Oktober 1990 Innenminister der DDR.
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