Wiesbaden/Berlin (DDP) Die Zahl der Adoptionen in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhielten 3888 Kinder und Jugendliche neue Eltern. Das sind gut 300 weniger als im Jahr zuvor. FDP-Fraktionsvize Miriam Gruß forderte angesichts der Zahlen „dringend eine Verbesserung der Adoptionsmöglichkeiten“. Die Koalitionsfraktionen haben hierzu einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht.
„Trotz sinkender Geburtenzahlen und zunehmend verbreiteter ungewollter Kinderlosigkeit vieler Paare in Deutschland ist die Zahl der Adoptionen seit Jahren rückläufig“, sagte Gruß, die sich vehement für eine Verbesserung der Möglichkeiten für potenzielle Eltern einsetzt. Die Regierungskoalition wolle Adoptionen daher stärker fördern und damit gleichzeitig dem Trend zu unbegleiteten Adoptionen aus dem Ausland entgegenwirken.
In dem Antrag von Union und FDP werde unter anderem eine Lockerung der Altersgrenzen gefordert: „Eltern hegen heutzutage immer später einen Kinderwunsch, bei Adoptionen muss daher ein größerer Altersunterschied möglich sein“, sagte die FDP-Familienexpertin. Das Adoptionsrecht müsse die heutigen Lebensrealitäten anerkennen. „Wir brauchen eine individuelle Einzelfallprüfung statt starrer Altersregeln.“ Für viele ungewollt kinderlose Paare sei eine Adoption oft die letzte Möglichkeit, ihren Kinderwunsch noch zu verwirklichen.
Mit den neuen Zahlen setzt sich die Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fort: Seit 2004 ist die Zahl der Adoptionen um 23 Prozent gesunken, im Vergleich zu 1994 sogar um mehr als die Hälfte (54 Prozent), wie die Behörde am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. 2009 waren mehr als die Hälfte aller Adoptionen (2011) Stiefelternadoptionen. Dabei werden der oder die Minderjährige durch einen neuen Partner des leiblichen Elternteils adoptiert. 185 Kinder wurden durch Verwandte adoptiert, 1692 Kinder durch nicht verwandte Personen.
Von den im vergangenen Jahr adoptierten Kindern waren laut der Statistik 30 Prozent unter drei Jahre. Jeweils rund 15 Prozent der Adoptierten waren 3 bis 5 Jahre, 6 bis 8 Jahre beziehungsweise 9 bis 11 Jahre alt. 25 Prozent waren zwischen 12 und 17 Jahre alt. Damit stieg der Anteil der unter Dreijährigen an den Adoptierten gegenüber 2004 um 7 Prozentpunkte, während der Anteil der 12- bis 17-Jährigen um 6 Prozentpunkte sank.
Für eine Adoption vorgemerkt waren 2009 insgesamt 818 Kinder und Jugendliche, knapp sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Adoptionsbewerbungen hat sich gegenüber 2008 um neun Prozent vermindert; in den Vermittlungsstellen lagen 7139 Bewerbungen vor. Damit belief sich das Verhältnis von Adoptionsbewerbungen zur Zahl der zur Adoption vorgemerkten Minderjährigen rein rechnerisch auf neun zu eins.
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