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Auf den Spuren der Vernichtung

Seelow (moz) Bereits zum vierten Mal organisierte der Evangelischen Kirchenkreis Oderbruch mit Jugendlichen eine Bildungs- und Gedenkstättenfahrt. Sie führte nach Auschwitz (Owicim) und Krakau (Kraków). Jörg Petzel, einer der Betreuer der Gruppe, hat Eindrücke aufgeschrieben.

  © jörg petzel leser

Ein Anliegen der Fahrt ist es, durch Bildungsangebote und Aufklärung vor Ort, rechtsextremen Tendenzen entgegen zu wirken, sowie Zivilcourage bei jungen Menschen zu fördern. Wie wichtig Letzteres ist, zeigen die jüngsten Entwicklungen in der Neonazi-Szene gerade auch hier im Oderbruch. 21 Schüler und Betreuer, unter ihnen auch wieder der Kustos des Muzeum Martyrologii Słonsk (das ehemalige KZ Sonnenburg) Błazej Kaczmarek, machten sich auf den Weg.

Bereits eine Woche vorher hatten sich die Jugendlichen während eines Vorbereitungsseminars in der Seelower Kirche auf die Fahrt vorbereitet. In verschiedenen Arbeitsgruppen machten sich die Schüler mit der Geschichte und Geografie Polens sowie der Landessprache vertraut, bedruckten T-Shirts für die Teilnehmer und bereiteten ein Reisetagebuch vor. Es folgte eine Exkursion nach Berlin zur Holocaustgedenkstätte sowie zur Gedenkstätte „Gleis 17“ am Bahnhof Berlin-Grunewald. Von hier wurden die meisten Berliner Juden in die verschiedenen Konzentrationslager deportiert. Zum Abschluss des Seminars begab sich die Gruppe auf Spurensuche jüdischen Lebens in Seelow und besuchte außerdem die Gedenkstätte Seelower Höhen.

In Oswiecim angekommen, erwartete uns ein umfangreiches Programm. Zum ersten Mal wurde in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) Oświręcim Quartier bezogen. Der Vorteil ist, dass durch die pädagogische Abteilung des Hauses sämtliche Bildungs- und Freizeitangebote aus einer Hand angeboten und organisiert werden. Für die individuelle Betreuung stand der Gruppe eine Volontärin aus der Ukraine zur Verfügung.

Schon am Nachmittag des ersten Programmtages fand eine Studienbesichtigung des Stammlagers Auschwitz statt. Die Teilnehmer wurden hier mit dem Holocaust im „Dritten Reich“ vertraut gemacht. Abends gab es eine Führung durch die Altstadt von Oświęcim. Sie ist heute wieder eine voll funktionierende, lebendige polnische Stadt.

Am nächsten Vormittag gab es eine Multimediapräsentation zum Thema „Die Häftlingskrankenbauten in den Lagern“. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, mit welchen perfiden Methoden die Häftlinge gequält wurden, bevor sie anschließend umgebracht wurden. Besonderen Eindruck hinterließ bei den Schülern die Besichtigung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Hier ermordeten die Nazis etwa 1,5 Millionen Menschen, meist Juden, die aus fast allen Ländern Europas hierher deportiert wurden. In stillem Gedenken legten die Jugendlichen an der „Todeswand“ des Stammlagers Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Am dritten Programmtag hatte die Gruppe auch Gelegenheit zu einem Workshop über das Leben und Wirken von Irena Sendler. Selbst gebürtige Polin, rettete Irena Sendler in den Jahren 1940 bis 1943 über 2500 jüdischen Kindern aus dem Warschauer Ghetto das Leben. Ein mutiges Beispiel für Zivilcourage in so schweren Zeiten.

Zur Halbzeit ging es weiter nach Kraków, wie das frühere Krakau heute heißt. Auch hier absolvierten die Jugendlichen ein umfangreiches Programm. Es ging darum zu erkunden, wo die Menschen herkamen, die in Auschwitz umgebracht haben, auf Spurensuche jüdischen Lebens in Krakau zu gehen. So besichtigte die Gruppe die Altstadt, das jüdische Viertel Kazimierz, die Remuh-Synagoge und die jüdischen Friedhöfe. Dazu gab es Informationen zur Geschichte Krakaus und des Judentums. Auch ein koscheres Abendessen in einem jüdischen Restaurant gehörte dazu. Besichtigt wurden das Galizische Museum, das ehemalige Ghetto und das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Płaszow.

Die Schüler begaben sich auch auf die Spuren von „Schindlers Liste“. Steven Spielberg drehte hier die meisten Szenen seines beeindruckenden Films.

Zum Abschluss der Fahrt besuchte die Gruppe noch das Salzbergwerk Wieliczka, welches zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Inzwischen fand bereits ein Nachbereitungsseminar zur Fahrt statt. Dabei wurde auch eine Fotoausstellung der Gedenkstättenfahrt erstellt.

Für die Unterstützung der Fahrt sei an dieser Stelle dem Deutsch-Polnischen-Jugendwerk, der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste, dem Jugendamt des Landkreises und der Sparkasse Märkisch-Oderland, sowie der Carl Hans von Hardenberg Stiftung gedankt.

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