Metzdorf (moz) In dem alten Schulgebäude von 1894 erinnert schon lange nichts mehr an eine Schule. Keine Tafel, keine Tische und Stühle, die in Reih und Glied aufgestellt wurden. Die einzige Tafel, die hier zu sehen ist, lehnt draußen an der Hauswand. Sie hat längst ausgedient und stark unter der Witterung gelitten. Sie lässt erahnen, dass in diesem Gebäude einmal Kinder ein und aus gegangen sind. Jahre später, nachdem der Konsum und die Gaststätte im Haus schließen mussten und es nach der Wende einige Zeit leer stand, zogen wieder Jugendliche ein. 1993 gründete sich der Jugendklub Metzdorf.
„Das war die offizielle Eröffnung. Eigentlich haben wir die Räume schon Monate zuvor genutzt“, erzählt Jörg Tryzyna. Er war einer der Jugendlichen, die es sich damals im Haus gemütlich machten. Sie schoben Schränke und Sofas, die zu Hause nicht mehr gebraucht wurden, in die drei Räume, stellten eine Tischtennisplatte auf, einen Fernseher und später sogar einen Billardtisch. Heute ist Tryzyna 35 Jahre alt und kommt immer noch in den Jugendklub – zum Quatschen mit Freunden, gemeinsamen Poker- oder Formel-1-Abenden. Doch die wenigen Jugendlichen, die im Ort wohnen, zieht es nicht dorthin. Der Jugendklub ist mit seinen Mitgliedern gealtert. Heute wird das Gebäude zum Teil als Gemeindehaus genutzt. Der Ortsvorsteher von Metzdorf, Frank Erler, hält dort seine Bürgersprechstunden ab. Doch die Metzdorfer wollen mehr aus dem Haus machen, wollen wieder Leben hinein bringen, Leben ins Dorf.
„Wir suchen noch nach Ideen“, sagt Maik Brocke, der ebenfalls vor Jahren in der alten Schule seine Jugend verbrachte. „Uns ist wichtig, dass das Haus weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.“ Alle Metzdorfer sollen dort einen Anlaufpunkt finden. Vor allem eine Idee ist in den vergangenen Monaten gereift. Die Frauen aus dem Ort sowie einige aus Kunersdorf wollen sich regelmäßig treffen. Sie wollen häkeln, stricken, Karten spielen und vieles mehr. „Einfach zusammenkommen und sich mal wieder unterhalten“, sagt Renate Halm, die unter anderen die Frauenrunde organisiert. Mitte September soll es losgehen.
Das denkmalgeschützte Backsteinhaus hat für die Metzdorfer einen historischem Wert, die Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg sind noch in der Mauer zu sehen. Jörg Tryzyna, Maik Brocke und weitere Bewohner verbinden mit dem Gebäude zusätzlich viele persönliche Erinnerungen. „Wenn wir hier zu Silvester waren, sind um Mitternacht die Menschen aus dem ganzen Ort zu uns gekommen und haben mitgefeiert“, erzählt Tryzyna.
Auch die Tanzfläche, eine Terrasse neben der alten Schule, bedeutet den Einwohnern viel. Sie wurde von ihnen selbst errichtet und hat sogar einen Namen erhalten: „Ingemaus“. Inge war eine Metzdorferin, die bei allen Festen für Stimmung gesorgt und viel getanzt hat. Noch heute, obwohl sie mittlerweile in Bad Freienwalde lebt, kommt sie zu den Feiern nach Metzdorf.
Doch bei den Festen und Treffen der alten Metzdorfer Jugend soll es nicht bleiben. Auf die neue Frauenrunde soll noch mehr folgen, das Leben in das Haus bringt.
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