Frankfurt (Oder) (moz) Vor rund zwei Jahren startete die Frankfurter Arbeitsloseninitiative e.V. zusammen mit der Kleingartensparte Paulinenhof das Projekt „Pauline Früchtchen“, in dem Langzeitarbeitslose Obst- und Gemüsegärten bewirtschaften, um wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden.
Versorgung gesichert: Gabriela Schiro sortiert das abgeerntete Gemüse des Tages, das zwei Mal pro Woche an die Frankfurter Tafel geliefert wird.
Gabriela Schiro ist seit sieben Jahren erfolglos auf der Suche nach einer geeigneten Arbeit. „In meinem Alter ist es besonders schwierig, etwas zu finden“, so die 49-Jährige „und die Absagen kommen auch deswegen, weil ich schon so lange arbeitslos bin“, mutmaßt die Mutter zweier Kinder. Seit April dieses Jahres arbeitet die gelernte Gärtnerin zusammen mit neun weiteren Langzeitarbeitslosen vier Stunden täglich in einem Gemüsegarten in der Kleingartensparte Paulinenhof in der August-Bebel-Straße. „Ich kümmere mich um die Treibhäuser und finde es toll, die Pflanzen wachsen zu sehen und eigene Erträge zu haben“, so Gabrielea Schiro, „und endlich komme ich wieder ein bisschen raus“.
Im Jahre 2008 wurde das Projekt von der Frankfurter Arbeitsloseninitiative e.V. und dem Gartenverein ins Leben gerufen. Die Idee war es, die Frankfurter Tafel durch ein eigenes Gartenprojekt mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Und da die Kleingartensparte Paulinenhof als einzige über genügend brachliegende Flächen verfügte, war die Zusammenarbeit mit ihr schnell besiegelt. Beschäftigt werden sozial benachteiligte Bürger, die für eine Mehraufwandsentschädigung von 1,50 Euro pro Stunde zusätzlich zum Arbeitslosengeld II wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen.
„Vieles war Fleißarbeit“, erzählt Projektleiter Egbert Noack. 1300 Quadratmeter Brachland mussten urbar gemacht werden. „Die Fläche war voller Unkraut, wilden Sträuchern und Müll“, erinnert sich der Diplom-Ingenieur. Bei der Kultivierung der Flächen konnten viele der Langzeitarbeitslosen ihre verschiedenen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ob Maurer, Stahlflechter oder andere handwerkliche Berufsgruppen, alle packten mit an, brachten den Boden auf Vordermann, renovierten die Bungalows, legten eine Wasserversorgung und einen zentralen Weg an und errichteten Parkplätze und einen Kompostbereich. Außerdem musste das Gelände von sieben Kubikmetern Sperrmüll befreit werden.
Heute wachsen auf insgesamt vier Gartenparzellen alle möglichen Gemüsesorten wie Kohlrabi, Radieschen, Rettich, Rüben, Gurken oder Mangold. „Also alles, was gesund ist und satt macht“, erklärt Egbert Noack. Zwei Mal pro Woche wird das abgeerntete Gemüse an die Frankfurter Tafel geliefert, wo es hilfsbedürftigen Menschen zugute kommt. Zur Zeit werden verstärkt Bohnen und Tomaten geerntet. Dabei wird auf den Einsatz von Chemikalien gänzlich verzichtet. „Bei uns ist alles Bio“, verrät der 54-Jährige. „Und das Schönste an dem Projekt ist, dass die Leute mit den Pflanzen regelrecht wieder aufblühen.“ Rosarot dürfe man die Lage dennoch nicht sehen, warnt der gebürtige Frankfurter. Die geförderten Maßnahmen laufen für ein Jahr und nur wenige Leute finden danach wieder ins Arbeitsleben zurück.
Besonders wichtig ist dem Sozialarbeiter auch, dass das schlechte Bild von Arbeitslosen endlich korrigiert wird. „Ohne die tatkräftige Unterstützung aller Beteiligten wäre das Projekt, was anfangs besonders von den angrenzenden Kleingärtnern skeptisch betrachtet wurde, niemals so erfolgreich geworden“, betont Egbert Noack, „und ein großer Dank gilt auch dem Geschäftsführer des Job Centers in Frankfurt, Karsten Cornelius, der unser Projekt von Anfang an unterstützt hat“.
In diesem Jahr sollen auch die Wintermonate erstmalig dazu genutzt werden, praktisch zu arbeiten. Eine Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) ist wahrscheinlich.
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