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Nadja Voigt 12.08.2010 08:00 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Schlechte Zeiten für Hausverkäufer

Eisenhüttenstadt (moz) Einerseits sank im vergangenen Jahr die Zahl der Kaufverträge, andererseits verzeichnen die Immobilienmakler vermehrt Interesse an altersgerechten Bungalows und Wochenendhäusern. Höchstpreise können Verkäufer jedoch nicht mehr erzielen. Der demografische Wandel sowie die Lage auf dem Arbeitsmarkt sind entscheidende Faktoren.

Zwei Faktoren bestimmen die sinkende Nachfrage auf dem Immobilienmarkt in der Region: der fortschreitende demografische Wandel sowie die Lage auf dem Arbeitsmarkt. In einer ersten Auswanderungswelle sind Fachkräfte aus der Region in den 1990er Jahren u. a. nach Westdeutschland und Nordeuropa, in die Schweiz oder nach Österreich ausgewandert. Nun würden in einer zweiten Auswanderungswelle die Eltern und Verwandten ihren Kinder hinterherziehen, hat Immobilienmakler Jürgen Schenk aus Beeskow festgestellt.

Andererseits kämen auch Westdeutsche Rentner oder vereinzelt sogar Spanier oder Südafrikaner, um in der Region altersgerechte Häuser zu kaufen. „Die machen sich natürlich nicht so stark auf dem Immobilienmarkt bemerkbar wie die zweite Welle von Abwanderungen, ist aber schon merklich“, so der Geschäftsführer der Spree Immobilien GmbH.

Der zweite Faktor, der den Immobilienmarkt im Landkreis Oder-Spree erheblich mitbestimmt, ist der Arbeitsmarkt, wie Kerstin Jentsch weiß. „Das hängt eng miteinander zusammen“, sagt die Immobilienmaklerin der Schlaubetal Immobilien GmbH aus Eisenhüttenstadt. Sobald Arbeitgeber in der Region wie die Eisenhüttenstädter Papierfabrik oder die Firma Conergy in Frankfurt (Oder) ihren Fachkräften feste Verträge angeboten hätten, hätten diese auch in Immobilien investiert. Dann allerdings vorwiegend in stadtnahe Gebiete mit guter Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Kindertagesstätten und Schulen sowie Freizeitmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite gäbe es eine gesteigerte Nachfrage nach barrierefreien Bungalows für Senioren, für die nicht genug Angebote vorhanden sind. „Die hätten das Geld, aber wir haben nicht das Angebot“, resümiert Kerstin Jentsch.

„Der Wert der Immobilie ist durch ihren Standort geprägt“, sagt Kerstin Jentsch. Dies würden vor allem jene Verkäufer zu spüren bekommen, die nun ihre nach der Wende gebauten oder damals sanierten Erholungsobjekte verkaufen wollen, um sich aus dem Erlös zum Beispiel einen Platz im Seniorenstift finanzieren zu können. Hätten sie damals noch 30 000 bis 40 000 Mark für ihre Häuser bezahlt, würden sie jetzt noch etwa 5 000 Euro dafür bekommen. „Der Preis der Immobilien in der Region sinkt mit jedem Jahr um etwa ein Prozent“, sagt Jürgen Schenk.

Deshalb gäbe es bei den sogenannten Bestandsimmobilien auf dem Land mehr Verkaufobjekte als Käufer, konstatiert Kerstin Jentsch. „Wir haben, im Gegensatz zu den 1990er Jahren einen sogenannten Käufermarkt. Das heißt, der Käufer bestimmt den Preis.“ Auch sei die Zahl der Neubauten seit dem Wegfall der Eigenheimzulage und des Baukindergeldes 2002/2003 um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen, stellt Jürgen Schenk fest.

Ein Blick auf die vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Landkreis herausgegebene Bodenrichtwertekarte zeigt die erheblichen Preisgefälle zwischen stadtnahen Gebieten und Dörfern aber auch innerhalb einer Gemeinde. Ein Kommentar dazu war vom Vorsitzenden der Gutachterausschüsse, der gleichzeitig Amtsleiter des Katasteramtes in Beeskow ist, jedoch nicht zu erhalten.

In Neuzelle kostet der Quadratmeter erschlossenes Bauland 50 Euro, in Groß Muckrow liegt der Preis bei sechs Euro, in Friedland bei 20 Euro. In Eisenhüttenstadt selbst gibt es große Preisunterschiede zwischen sogenannten reinen Wohngebieten wie der Neuzeller Straße, wo der Quadratmeter 102 Euro kostet und dem IV. Wohnkomplex, in dem der Quadratmeter nur 38 Euro kostet.

Die Immobilienmakler in Beeskow haben für das Jahr 2010 einen neuen Trend ausgemacht: „Wochenendhäuser in der Region Müllrose oder den Storkower Seen sind der Renner“, so Jürgen Schenk. Denn seit der Wirtschaftskrise würden spürbar mehr Berliner zum Beispiel in der Region Urlaub machen und keine teuren Reisen mehr buchen.

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