Frankfurt (moz) Während andere Studenten derzeit die vorlesungsfreie Zeit genießen, widmen sich 30 internationale Jura-Studenten an der Viadrina einem der schwierigsten aktuellen Konflikte. Noch bis morgen läuft dort die Konferenz „Learning about the Middle-East“ über den Nahostkonflikt.
Organisiert wurde die Konferenz von der Jura-Studentenvereinigung ELSA (European Law Students’ Association) in Frankfurt. Zu dem Thema internationale Konflikte sollen von nun an alle zwei Jahre Fachkonferenzen stattfinden. Der Nahostkonflikt lag als erster Schwerpunkt nahe: „Das ist ein Thema, von dem jeder gehört hat, aber keiner genau versteht, was dahinter steckt“, erklärt Mitorganisator Marcel Miess. Allerdings gesteht er ein, dass dem Team vorher nicht klar war, wie komplex und emotional das Thema besetzt ist. „Man kann den Konflikt nicht aus rein juristischen Sicht betrachten“, ist seine Erkenntnis aus den bisher gelaufenen Veranstaltungen.
Kontrovers ging es vor allem gestern Nachmittag bei drei Workshops zu. Studenten diskutierten jeweils mit Vertretern der israelischen und der palästinensischen Seite über die größten Streitfragen. In der Diskussion waren der Sicherheitszaun, die Siedlungen und die Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten. So berichtete Janel Galvanek von Amnesty International über palästinensische Dörfer, in denen es kein Wasser gibt und benachbarte israelische Siedlungen mit Pools und bewässertem Ackerland. Daraufhin bezichtigte der deutsch-israelische Unternehmer Ari Lipinski sie der Lüge und verwies auf die Errungenschaften der Israelis, die das „beste Wassersystem der Welt“ geschaffen hätten.
Im Raum nebenan legte währenddessen Ilan Halevi von der Palästinensischen Generaldelegation in Deutschland seine Sichtweise über den so genannten Sicherheitszaun zwischen Israel und der Westbank dar. „Ich halte es für naiv zu denken, eine Mauer könne Sicherheit schaffen“, so das ehemalige Mitglied der Fatah-Regierung. Die Sperranlage sei ein riesiges Hindernis für Zivilisten, nicht aber für Terroristen, so seine Begründung. Das internationale Recht könne allerdings nur wenig zur Lösung des Konflikts beitragen, so seine Meinung. „Es wird einfach nicht zur Realität.“
Aufmerksam hörten unter anderem die zwei rumänischen Jura-Studentinnen Raluca Chelaru und Oana Gheorgiu zu. Sie sind bei der einwöchigen Konferenz, um sich die vielfältigen Meinungen von Professoren, Historikern und Anwälten anzuhören. „Es geht nicht darum, jemandem die Schuld zu geben, sondern mehr über den Konflikt zu erfahren“, stellte Raluca Chelaru klar. Dennoch habe auch sie die Stimmung als sehr geladen wahrgenommen.
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