Eberswalde (moz) 61 Walzwerker haben ihre Kündigungen inzwischen erhalten. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft, die 35 Jahre und länger im Traditionsunternehmen beschäftigt waren. Ein Großteil ist in eine Transfergesellschaft gewechselt. Dort sollen sie auf einen neuen Job vorbereitet werden. An der Enttäuschung über die Art und Weise der Entlassung ändert das bei den Betroffenen nichts. Einige haben sich zu einem Gespräch mit der MOZ entschlossen.
Wut und Enttäuschung steht in den Gesichtern der Männer, die sich zu einem Gespräch mit der MOZ entschlossen haben. Sie gehören zu den 61 Beschäftigten des Walzwerkes, die den Betrieb verlassen mussten. Ihre Namen wollen sie nicht nennen, aus Furcht vor Repressalien. Dass nicht alle 180 Mitarbeiter des traditionsreichen Unternehmens nach der Talfahrt durch die Insolvenz an Bord bleiben können, dessen waren sich die Männer der einstigen Stammbelegschaft durchaus bewusst. Aber wie sie ihre Entlassung erlebt haben, macht ihnen noch heute schwer zu schaffen.
„Der 23. Juli war unser letzter Arbeitstag. Als wir zu Schichtende den Betrieb verlassen haben, hieß es nur schönes Wochenende. Die böse Überraschung kam am Sonnabendvormittag mit der Post. Wir sind von der Arbeit frei gestellt und sollen uns am Montag, 14 Uhr, einfinden, hieß es“, schildert einer der Männer, Verbitterung klingt in seiner Stimme. An besagtem Montag, 26. Juli, 14 Uhr, hätten 61 Mitarbeiter vor dem Werkstor gestanden, durch das sie nur mit Passierschein gelassen wurden. „Wir kamen uns vor wie Verbrecher, durften die Produktionshalle nicht mehr betreten, nur noch unsere Spinde räumen. Wir haben immer zur Stange gehalten, auch wenn es dem Unternehmen nicht so gut ging“, sagen die Männer. „Wir fühlen uns ausgenutzt, weggeschmissen, wie ein Stück Dreck. Von Sozialverträglichkeit keine Spur.“
Große Hoffnungen, dass der Betrieb noch lange am Markt sein wird, haben die Männer nicht. Schon zum Jahresende rechnen sie mit den nächsten Entlassungen und neuer Kurzarbeit. „90 Prozent der Gekündigten kommen aus dem Fertigungsbereich. Das bedeutet doch, dass künftig weniger produziert wird“, vermuten die Männer.
Die meisten der Betroffenen haben 35 Jahre und mehr im Walzwerk gearbeitet. Dass sie von den Kündigungen derart überrascht wurden, erklärt die Geschäftsführung des Walzwerkes in einer schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion folgendermaßen: Die Sozialplanverhandlungen mit dem Betriebsrat zur Betriebsänderung hätten sich über einen längeren Zeitraum hingezogen. Erst am Abend des 22. Juli sei eine Einigung erzielt worden. „Die unterschriebenen Dokumente lagen somit erst am 23. Juli am späten Vormittag vor. Daraufhin wurden alle von den Betriebsänderungen betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu einer Informationsveranstaltung am 26. Juli eingeladen und ab diesem Tage von der Arbeit freigestellt. Soweit es möglich war, wurden die Mitarbeiter persönlich von den Leitern informiert. Die übrigen Mitarbeiter wurden auf dem Postwege informiert“, heißt es da.
Auf besagter Informationsveranstaltung seien die betroffenen Mitarbeiter über die Ergebnisse der Sozialplanverhandlungen informiert worden. „Im Rahmen des Sozialplanes bestand die Möglichkeit mittels eines Drei-Seiten-Vertrages in eine Transfergesellschaft überzugehen. Mitarbeiter, die diese Möglichkeit nicht genutzt haben, erhielten zum 30. Juli die Kündigung zugestellt“, so die Geschäftsführung weiter.
Der Großteil der entlassenen Mitarbeiter hat das Angebot, in die Transfergesellschaft zu wechseln, angenommen. Dort erfolgt ein sogenanntes Profiling, zu deutsch Eignungstest, Das soll zeigen, welche Einsatzmöglichkeiten überhaupt in Frage kommen. „Die Chancen, mit Hilfe der Transfergesellschaft eine neue Beschäftigung zu finden, sind besser als viele glauben“, sagt Christian Ramm, Leiter der Arbeitsagentur Eberswalde. 250 Euro zahlt die Arbeitsagentur pro Mitarbeiter und Profiling, bis 2500 Euro für Weiterbildungsmaßnahmen innerhalb der Transfergesellschaft.
Für die Schulungen wurden Räume in Finow gemietet, die sich in einem Haus befinden, für das Karen von Hertzberg, Ehefrau des Walzwerkgeschäftsführers Patrick von Hertzberg, seit 1999 als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen ist. „Wir überprüfen nur, ob die Räume von der Ausstattung her geeignet sind, nicht die Eigentumsverhältnisse“, verweist Ramm. Die Entscheidung, wo die Schulungen stattfinden, sei einzig allein Sache des Bildungsträgers.
Die aktuelle Situation im Walzwerk hatte auch Bürgermeister Friedhelm Boginski zu einem neuerlichen Betriebsbesuch veranlasst. „Für die Vermittlung weiterer Kontakte stehe ich jederzeit zur Verfügung. Wo wir als Stadt Unterstützung geben könne, werden wir es tun“, sichert er zu.
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