Gieshof-Zelliner Loose (moz) Das Schicksal des Wohnblocks in Gieshof ist besiegelt. In einer Mieterversammlung machte ein Verwalter der Ostbrandenburgischen Wohnungsbaugesellschaft deutlich, dass es für das Gebäude keine Zukunft gibt. Sieben Mietparteien müssen demnächst ausziehen. Sollten sie auf ein Angebot des Verwalters eingehen, will sich dieser mit 300 Euro pro Mieter an den Umzugskosten beteiligen. Für die Betroffenen steht fest, dass es nicht zum Leerzug hätte kommen müssen – wäre in den vergangenen Jahrzehnten in den Wohnblock investiert worden.
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Für Gieshof sei der Tag eine Katastrophe, sagt Rico Dumke. Was der Ortsvorsteher und die Leute, die noch in dem Block leben, bereits ahnten, ist seit einer Mieterversammlung gewiss: Das Schicksal des Wohnblocks ist besiegelt. Er soll leergezogen werden. Wenn es nach Armin Wunderlich geht, der sich am Mittwoch als Verwalter der Ostbrandenburgischen Wohnungsbaugesellschaft vorstellte, sollen die sieben Mietparteien bis zum 30. November ihre Wohnungen verlassen. Der Eigentümer will weitere Kosten sparen. „Die Verwaltung ist gezwungen, den Block aufzugeben“, sagte Wunderlich. Er sieht keine Chance, neue Mieter zu gewinnen. „Schuld daran ist neben der demografischen Entwicklung die schlechte Infrastruktur“, sagte er. Zuletzt sei ein potenzieller Mieter des Blocks aus Berlin, er wollte laut Wunderlich ein Anglerheim einrichten, abgesprungen, weil die Oder doch zu weit entfernt sei.
Dass der Wohnblock unsaniert ist, mit Ofenheizungen, erwähnte der Verwalter zwar. Er sagte: „Es lohnt nicht, hier einen einzigen Nagel einzuschlagen.“ Dass der katastrophale Zustand des Gebäudes und der Wohnungen ein Grund dafür sein könnte, dass niemand einziehen will, ließ Wunderlich unterdessen unerwähnt. Für die Mieter steht jedoch fest, dass das der Hauptgrund für den Leerstand ist. Die Wut unter ihnen ist groß. Sie sind enttäuscht und sicher, dass es nicht so weit hätte kommen müssen, wäre in der Vergangenheit investiert worden. Denn die Wohnungen sind mittlerweile wie das gesamte Gebäude in einem desolaten Zustand. Die Fenster sind unsaniert und zugig. In einigen Wohnungen sollen sie nicht einmal Regen abhalten. Schimmelflecke bilden sich an Wänden. In den Fluren hängen Spinnweben, Vogelkot liegt in den Gängen. Es stinkt erbärmlich. „Uns wird seit zehn Jahren versprochen“, sagte Klaus-Dieter Göritz wütend, „dass wenigstens das Nötigste saniert wird. Passiert ist nie etwas. Kein Wunder, dass die Leute gehen.“ Auf die Frage von Karola Bethge, wohin die Mieteinnahmen jahrzehntelang geflossen seien, antwortete der Verwalter, dass sich „die Banken davon bedienen, um Zinsen zu tilgen“.
Ein Angebot, das Wunderlich den Mietern unterbreitet, kommt für die meisten nicht in Frage. Das wurde am Mittwoch deutlich. Das sei eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, sagte jemand aufgebracht. Der Verwalter bot den Betroffenen „gleichwertigen Wohnraum“ in einem der Objekte an, die von der Wohnungsbaugesellschaft in Ortwig, Wollup und Letschin verwaltet werden. Klaus-Dieter Göritz winkte ab: „Das sind genau solche Bruchbuden wie hier“. Für den Fall, dass in Gieshof alle Mieter zustimmen und bis zum 30. November den Block räumen, um in ein anderes Objekt der Wohnungsbaugesellschaft zu ziehen, sagte Wunderlich ihnen Hilfe zu. Jeder Mieter soll 300 Euro Umzugskosten erhalten. Sollten die Mieter nicht darauf eingehen, gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Für die meisten liegt diese, weil sie seit Jahrzehnten in dem Haus leben, bei neun Monaten. Mit 300 Euro wollen sich die Gieshofer nicht abspeisen lassen, hieß es am Mittwoch. Sie holen sich jetzt zunächst Unterstützung von einem Mieterverein. Was mit dem leergezogenen Wohnblock passiert, ist unklar. Er „müsste abgerissen werden“, sagte Verwalter Wunderlich bei der Mieterversammlung. Ob er das tatsächlich wird, konnte er nicht bestätigen.
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