Seelow (moz) Die Telefone beim Gewässer- und Deichverband (GEDO) stehen nicht still. Immer wieder melden sich Betroffene, schildern ihre Situation. „Wir gehen den Hinweisen nach, helfen wo wir können“, erklärte GEDO-Chef Martin Porath, der gestern seinen Urlaub abgebrochen hatte. „Bei allem Verständnis für den Ärger bitten wir aber darum, uns nicht zu beschimpfen. Wir wollen niemanden absaufen lassen.“ Derzeit sei die Lage aber prekär. Jeder Regenschauer mache sich sofort mit höheren Binnenpegeln bemerkbar. Jetzt wäre es wichtig, einen schnellen Überblick über die Wasserstände zu haben. Doch das elektronische Management kann nicht eingeführt werden. Das Land lehnt es ab, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Täglich sind 70 der 86 GEDO-Mitarbeiter dabei, die Abflussbedingungen im Oderbruch zu verbessern.
Die großen Schöpfwerke wie Neutornow sind rund um die Uhr besetzt. Die anderen werden laufend kontrolliert. Die Arbeiten am Hauptoderdeich, wo Biberschäden verbaut werden, mussten wegen der Witterung eingestellt werden. Die Krautung an den großen Vorflutern sei erfolgt. Allerdings zeige die aktuelle Situation wieder, dass das Programm zur Sanierung der Alten Oder dringend fortgesetzt werden muss, so Porath. Eine Forderung, der sich Kreis-Bauernverbandschef Henryk Wendorff anschloss. Die Lage der Landwirte sei sehr schwierig. Noch stünden etwa 40 Prozent des Getreides auf dem Halm. Die Ernte sei verloren, wenn die Felder nicht bald wieder befahrbar sind. Qualitätsverluste werde es ohnehin geben. Der Mais könne zwar noch einiges aushalten. Aber dann müsse auch er geerntet werden. Bis zu vier Wochen kann es dauern, ehe die Felder trocknen.
Ortwig. Die acht Hektar große Oase mitten auf dem Acker zwischen Ortwig und Neubarnim steht komplett unter Wasser. Kein einziger Weg kann ohne Gummistiefel passiert werden. Eigentlich sollte jetzt die Saatgutgewinnung beginnen. Daraus wird nun nichts. Die Existenz für das nächste Jahr steht in Frage. „Ich kann nicht mal mehr weinen“, sagt Anita Dehnert. Seit mehr als zehn Jahren hat sie mit ihrem Lebensgefährten Dr. Peter Schindelhauer den Ceres-Hof zu einem Gartenparadies gestaltet, in dem alles wächst, was man für die eigene Versorgung benötigt. Hier wachsen nicht nur alte und seltene Kräuter, Teesorten, Blumen und Bäume, hier finden auch seit Jahren Menschen einen Ort, um abzuschalten und zu sich selbst zu finden. Die beiden Gründer haben unendlich viel Kraft und ihr gesamtes Vermögen in den Aufbau der Gartenanlage gesteckt.
Über Jahre wurden viele Kontakte aufgebaut. Inzwischen interessieren sich zahlreiche Experten und Institute für das Projekt. Demnächst sollte ein Humusbildungsseminar beginnen. Über Jahre wurden sechs verschiedene Komposte angelegt. Jetzt steht alles im Wasser. Die in den vergangenen drei Jahren eingebrachten effektiven Mikroorganismen sind hochgespült. Tausende Regenwürmer schwimmen im Wasser. „Wenn dass Wasser weg ist, sind auch die Mirkoorganismen weg“, so Schindelhauer. Viele der Bäume – ein Aboretum wurde angelegt – werden den langen Stand im Wasser nicht überleben. „Das Schlimmste ist, dass wir kein Saatgut haben werden“, sagt der Mediziner. Man sei um Jahre zurück geworfen. Für ihn steht fest, dass der Gewässer- und Deichverband die Hauptschuld trägt, weil er den geordneten Abfluss nicht sichert.
Anita Dehnert ist überzeugt, dass es den Ceres-Hof in bisheriger Form nicht mehr geben wird. Sieben Frauen und Männer leben derzeit vom Hof. „Unsere wirtschaftliche Existenz ist vom Wasser weggespült worden“, macht Anita Dehnert deutlich. Sie ist überzeugt, dass ein Umdenken stattfinden muss. Man könne die Natur nicht überlisten. Angesichts randvoller Gräben und überfluteter Felder in der gesamten Nachbarschaft müsse man daran gehen, eine an die Natur orientierte Land- und Gartenwirtschaft aufzubauen. Sie werden Schadensersatzforderungen stellen, aber der eigentliche Wert der Anlage sei nicht mehr herstellbar.
Lebus. Förmlich zum Himmel stank es nach dem Starkregen am Wochenende in Lebus. Dort war Oberflächenwasser in die Abwasseranlage des Gewerbegebietes an der Kirschallee eingedrungen. Das Regen-Abwassergemisch wurde nicht nur aus den Gullys im Bereich des Norma-Marktes, sondern auch aus Bodeneinläufen und sogar aus Toiletten in Gewerbetrieben herausgedrückt. Ein mobiles Entsorgungsunternehmen und die Feuerwehr mussten wiederholt zum Abpumpen anrücken. „Wir müssen zusammen mit den Gewerbetreibenden und dem Fürstenwalder Wasserverband eine Lösung finden“, sagte Bürgermeister Herbert Radtke am Montagabend in der Beratung des Bau- und Ordnungsausschusses der Stadt. Es gehe immerhin um mehr als 250 Jobs im Gewerbegebiet.
Hintergrund ist die Tatsache, dass die Abwasseranlage des Gewerbegebietes separat, also nicht ans städtische Netz angeschlossen ist. Der Investor hatte sich einst nicht mit dem Lebuser Wasserverband einigen können. Erschwert wird die Situation dadurch, dass auch das Regenwasser-Auffangbecken hinter der Gärtnerei am Norma-Markt bei Starkregen nicht ausreicht und überläuft. Die Stadtverordneten möchten eine komplexe Lösung.
Küstrin-Kietz/Neutrebbin. In der Küstrin-Kietzer Deutschlandsiedlung und in der Neutrebbiner Hauptstraße sind Grundstücke und Keller überschwemmt worden, die seit Jahrzehnten trocken geblieben waren. Neutrebbins Bürgermeister Siegfried Link informierte, dass sein Keller in diesem Jahr bereits zu dritten Mal unter Wasser steht. In der Küstrin-Kietzer Rheinlandstraße steht das Wasser auf manchen Grundstücken so hoch, dass die Feuerwehr nur zeitweise Abhilfe schaffen kann.
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