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Steffen Göttmann 20.08.2010 19:49 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

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Wenn sich ein Langweiler zum Tiger wandelt

Bad Freienwalde (moz) Vor fast ausverkauftem Haus ist am Donnerstagabend die Premiere der Sommerkomödie im Oderbruch mit dem Boulevardstück „Der Mustergatte“ über die Bühne gegangen. Das Kurtheater, das Intendant, Regisseur und Schauspieler Mathias Raupach als neuen Festspielort wählte, hat etwas von seinem alten Glanz zurückgewonnen. Trotz aller Unkenrufe sind die erforderlichen Umbauten rechtzeitig fertiggeworden. „Es war sehr, sehr stressig, aber wir haben es geschafft“, sagte Inhaber Enrico Merten erleichtert. Der Boden des Saals wurde mit einem roten Teppich ausgelegt. Die Vorhänge an der Bühne und den Ausgängen erstrahlen in einem frischen Dunkelrot. Im Garten war ein Theatercafé entstanden.

  © MOZ

Die Geschichte ist eigentlich so lau wie eine Sommernacht. Margret Bartlet will die Trennung, weil ihr Mann Langweiler ist und sie nicht betrügt. In der Ehe ist die Luft raus, weil der überkorrekte Londoner Bankier William Bartlett – der Mustergatte – für keine andere Frauen mehr Augen hat und sie auch nicht für ihn. Sein Freund Jack weist ihn auf den vermeintlich rechten Weg hin. Durch einen Zufall sind Jacks Frau Dolly und William allein daheim in einer Wohnung. Mit viel Alkohol wird aus einem lahmen Abend eine richtige Party. Der Langweiler wird zum Tiger, das Mauerblümchen zum Vamp . Das Happyend lässt die Zuschauer beschwingt nach Hause gehen

Das ist der Stoff, der Matthias Raupach auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Der Intendant der Sommerkomödie, Regisseur und Schauspieler, der in Wriezen geboren wurde und heute in Wien lebt, lockte Gäste aus dem Oderbruch, dem Barnim bis hin nach Berlin ins Kurtheater

Weil der Rundfunk Berlin-Brandenburg von der Premiere eine Liveschaltung realisierte, mussten die Zuschauer knapp eine halbe Stunde warten, bis der Vorhang nach oben ging. Dabei lernten sie, dass es auch beim Fernsehen gestellte Bilder gibt. Auf ein Zeichen der Aufnahmeleiterin musste geklatscht werden.

Der Abend kam prima beim Premierenpublikum an. „Wunderbar“, schwärmte die ehemalige Bibliotheksleiterin Ingelore Ammer, nachdem sich der Vorhang gesenkt hatte. Und auch Elektrounternehmer Olaf Schröder war voll des Lobes. „War schon amüsant und für mich ein interessantes Erlebnis“, sagte Robert Witzke. Während der erste Akt etwas schwerfällig gewesen sei, ging es dann nach der Pause turbulent zu.

„Super, mehr kann man nicht erwarten“, freute sich Matthias Raupach bei der Premierenfeier. Das Haus sei ausverkauft und alles sei rechtzeitig fertig geworden. Die unzähligen Helfer hätten fast Unmögliches möglich gemacht. „Alle haben an einem Strang gezogen“, so Raupach. Er bereue es nicht, ins Kurtheater umgezogen zu sein. Die große Bühne biete viele Möglichkeiten. „Dort kann man gut Boulevard spielen – Tür auf, Tür zu“, sagte Raupach.

Die Probleme hatten die Helfer. Unter anderem Lutz Schirrmann, Chef der Firma W. Schmidt & Söhne, die traditionell die Bühne baut. „Wir mussten diesmal alles alleine machen, weil Matthias Raupach erst so spät kam“, sagte er. Der Schauspieler hatte noch ein anderes Engagement in Wien. Es mussten viele Ecken und Winkel verbaut werden. Ein Mitarbeiter sei anderthalb Monate nur mit der Kulisse beschäftigt gewesen. Ehrenamtlich halfen Dorette Sakowski und Annette Spremberg als Garderobieren aus. Als Raupach sie fragte, seien sie gerne an ihre ehemalige Wirkungsstätte zurückgekehrt.

Zu den Premierengästen gehörte auch Ex-Bauminister Hartmut Meyer. „Wichtig ist, dass Matthias Raupach vor zehn Jahren den Mut aufbrachte, gegen den Strom zu schwimmen und mit Kultur in dieser Region die Menschen begeistert“, lobte der Wriezener. Auch seine Eltern würden vieles dazu beitragen.

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