Kunersdorf (moz) Caroline de la Motte Fouqué und die Mode ihrer Zeit standen im Mittelpunkt eines Vortrages, mit dem das Frankfurter Kleistmuseum am 21. August im Kunersdorfer Musenhof zu Gast war. Das Museum begleitet damit eine eigene Ausstellung im Rahmen des Kulturlandes Brandenburg 2010.
Vom Reifrock zum Mieder: Kulturwissenschaftlerin Nadja Kupsch spricht über Caroline de la Motte Fouquet und die Mode ihrer Zeit.Foto: Silke Müller
Wer, wenn nicht Caroline de la Motte Fouqué passt in das Kulturland-Motto: „Mut & Anmut – Frauen in Brandenburg/Preußen“.Sie hielt sich wenig an die stringenten Vorgaben für Frauen ihres Standes. Als Schriftstellerin, Redakteurin, Herausgeberin kümmerte sie sich um weit mehr als die üblichen häuslichen Pflichten auf Schloss Nennhausen bei Cottbus. Romane, Erzählungen, Lyrik gehören zu ihren Arbeiten. Aus heutiger Sicht am wertvollsten sind ihre kulturhistorischen Essays zur Mode ihrer Zeit. 1829/30 veröffentlichte sie ihre Aufsätze im „Morgenblatt für gebildete Stände“, sehr viel später erst wurden diese in Buchform zusammengefasst – ein Buch, dass nur noch antiquarisch zu haben ist.
Nadja Kupsch, Kuratorin der Ausstellung im Frankfurter Kleistmuseum, beschrieb in Kunersdorf anschaulich, wieso die Texte der Caroline de la Motte Fouqué noch heute aus gutem Grund vergriffen sind. „Man sollte denken, sie stehe in gar keiner Beziehung zu der historischen Entwicklung unserer Gegenwart“, schrieb de la Motte Fouqué über die Mode. „Vielleicht irren wir hierin. Wer weiß immer mitten im Strudel, wo die Strömung hingeht, wo sie herkommt? Leichter ist es, dies anzudeuten, wenn man am Ufer steht und zurück sieht.“ Ein Gedanke, der damals wie heute Gültigkeit hat, vor allem aber das eigenständige Denken dieser Frau belegt. Sie beschäftigte sich nicht mit Trivialem, sondern mit Zeitgeschichte und Wissensthemen. Ein Umstand, der Männer argwöhnisch werden ließ. Erst recht, wenn sich Frauen nicht ihren, sondern ganz eigenen Gedanken widmeten.
Wie genau Caroline de la Motte Fouqué beobachtete, ließ Ausstellungskuratorin Nadja Kupsch die zahlreichen Besucher im Musenhof nacherleben. Mit pompösen wie unpraktischen Reifrockkleidern samt bewegungshemmenden Absatzschuhen aus der Zeit vor der französischen Revolution (1789) kocht die Mode um 1770/75 noch einmal richtig hoch. Für ganz Europa war die französische Mode ein Muss, bis die Engländer modisch abspeckten, sündhaft teure Seide durch bedruckte Baumwollstoffe ersetzten, bislang wallende Umhänge enger fassten, die Reifröcke durch knappe Reifansätze an den Hüften ersetzten und so für mehr Bewegungsfreiheit sorgten. De la Motte Fouqué blieb schon als Kind diese modische Enge der Franzosen erspart. Offenes Haar, Kleider im englischen Schnitt, aber kurz, Schuhe ohne Hacken – so beschreibt sie ihre Kleidung. Keine große Umstellung, als mit und nach der französischen Revolution der Adel versucht, auch von der modischen Prunksucht weg zu kommen. Dies gelingt, mit einem Rückgriff auf die Antike. Die Reifröcke verschwinden, einteilige Chemisenkleider mit flachen Schuhen prägen das Bild – nicht mehr in der Hüfte, sondern unter der Brust gegürtet. Aus Baumwollstoffen, die mitunter so freizügig-luftig waren, wie die Debatten jeder Zeit über die Geschlechterrollen – was dürfen Frauen? Reiterjacken wie der Spencer überm Kleid tragen? De la Motte Fouqué ist sich da nicht so sicher, ob männliche und weibliche Kleidung gemischt werden sollten.
Lange währt die neue (Bewegungs-)Freiheit nicht. Napoleon lässt sich 1804 krönen und der Prunk kehrt langsam zurück– auch in der Mode: lange Handschuhe, Schmuck, Haarschmuck. Die Leichtigkeit verliert sich. Während über eine deutsche Nationaltracht nachgedacht wird, kehrt im frühen Biedermeier das Schnürmieder zurück und schränkt nicht nur die Bewegungsfreiheit der Frauen kräftig ein. Nun begnügen sie sich nun mit üppigen Frisuren und Hüten und kehren in ihre typische Frauenrolle zurück. Caroline de la Motte Fouqué notiert dazu: „…so mag die Mode über kurz oder lang immerhin in der Form auf‘s Neue wechseln, das innere Motiv jeder vorerwähnten Schöpfungen einmal zur Sprache gekommen, wird nicht aufhören, Resultate hervorzubringen.“ Bis heute.
Service: „Caroline de la Motte Fouqué – Chronistin der Mode“, Ausstellung im Kleistmuseum Frankfurt (Oder) bis 29. August
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