Panketal/Berlin-Buch (moz) Wer auch immer – ob aus Berlin oder Brandenburg – sich dem renommierten Gesundheitsstandort in Buch mit dem Helios-Klinikum und dem Max-Delbrück-Centrum nähert, stößt oft auf ein scheinbar unentwirrbares Knäuel von Fahrzeugen. Die Initiative „Pro Anschlussstelle“ verweist auf offizielle Zahlen, denen zufolge jährlich etwa 880 000 Berufspendler, 600 000 Patienten, Gäste und Geschäftspartner sowie 180 000 Logistikfahrten auf dem Areal zusammentreffen, das etwa so groß wie das überschaubare Röntgental ist. Der Verkehr läuft über die vergleichsweise kleinen Straßen der umliegenden Orte. Viele Zepernicker, Schwanebecker und andere Barnimer, die in Buch arbeiten, erleben dies Tag für Tag. Patienten und Besucher sind in ähnlicher Weise betroffen.
Abfahrt für Kliniken: Statt durch die Siedlungsgebiete soll der Verkehr zum Gesundheitsstandort über die Autobahn erfolgen.Grafik: Initiative „Pro Anschluss“
Und die Situation wird sich sogar noch verschärfen, sagt Panketals Bürgermeister Rainer Fornell. Mit dem Ausbau des Autobahndreiecks Schwanebeck und der Verschränkung der bisherigen B 2 als Zubringer zum Dreieck wird die Anschlussstelle Weißensee fortfallen. „Dann werden noch weitaus mehr Fahrzeuge als bisher den Weg zum Beispiel durch Schwanebeck und über die Bucher Chaussee nach Buch suchen“, warnt Fornell. Und meist handelt es sich dabei um überörtlichen Durchgangsverkehr.
Dabei gibt es in den Augen der Initiative „Pro Anschlussstelle“ eine vergleichsweise einfache und überzeugende Lösung. „Wir hatten es als ganz selbstverständlich vorausgesetzt“, so Initiatorin Silke Langmacker, „dass mit dem sechsstreifigen Ausbau des Berliner Rings auch eine Anschlussstelle für Buch und Karow gebaut wird.“ Diese sollte, so ihre Forderung, an der Autobahnbrücke Bucher Chaussee/Karower Chaussee errichtet werden und wäre somit nur ein paar hundert Meter von dem Gesundheitsstandort entfernt. Der gesamte Ziel- und Quellverkehr müsse sich nicht mehr durch die Dorfstraßen quälen, sondern könne direkt den Berliner Ring als leistungsfähigste Straße ansteuern. „Zurzeit ist Buch nur mit dem Navi zu erreichen“, sagt Silke Langmacker. Dass dies ein „absolutes Entwicklungshindernis“ ist, weiß sie aus ihren Erfahrungen als Wirtschaftsprüferin. Etliche Unternehmen hätten aufgrund der schweren Erreichbarkeit ihre ursprüngliche Ansiedlungsabsicht wieder aufgegeben.
Die Autobahn hätte die Funktion einer Umgehungsstraße, argumentiert die Initiative „Pro Autobahnanschluss“. Ihr gehören u.a. das Max-Delbrück-Centrum, das Helios-Klinikum, die Lungen- und die Rheumaklinik, Professor Detlev Ganten, der frühere Leiter der Charité, die Gemeinde Panketal, die Bürgerinitiative Neu-Buch, die Bürgerstiftung Berlin-Karow und weitere Berliner Bürgerinitiativen, die Industrie- und Handelskammer Berlin sowie Unternehmen der Gesundheitsbranche und der Forschung an. In ihren Augen hätte die neue Anschlussstelle den Vorteil, dass die „täglichen Umwege tausender Autos zu weit entfernten Anschlussstellen“ entfallen würden. Auch der Lieferverkehr, zu dem auch Transporter mit radioaktiven Stoffen und anderen gefährlichen Gütern zählen, die für den Betrieb von Krankenhäusern und Forschungsstationen notwendig sind, hätten kürzere Wege zum Fernverkehr. „Es gibt ja mit der Autobahn eine leistungsfähige Straße. Es gibt nur keinen Anschluss an sie“, bekräftigt Fornell das Anliegen. Er blickt zugleich auf den Berliner Innenstadtring und verweist auf die Anschlussstellen, die dort mitunter im Abstand von nur einigen hundert Metern aufeinander folgen.
Mit dem Blick nach Berlin ist zugleich der Entscheidungsträger in dieser Angelegenheit aufgerufen. Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung muss beim Bund den Antrag auf Errichtung der Anschlussstelle einreichen, erläutert Silke Langmacker. Zwar ist das Planfeststellungsverfahren für den Berliner Abschnitt bereits abgeschlossen, dennoch könnten als Ergänzung Auf- und Abfahrten nachträglich beschlossen werden, ohne das gesamte Verfahren zu stoppen. Vom Bund liege bereits die Aussage vor, dass eine Auffahrt nicht nur „denkbar“, sondern „naheliegend“ sei. Um die Senatsverwaltung zur Antragstellung zu ermuntern, liegt ein Bürgerantrag für die Bezirksverordnetenversammlung Pankow vor, der in diesen Wochen in den dortigen Gremien diskutiert wird.
Unterschriftenlisten für den Autobahnanschluss liegen im Rathaus der Gemeinde Panketal aus. Sie können auch zum Sammeln mitgenommen werden.
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