Schönefeld (moz) Am neuen Hauptstadtflughafen BBI soll direkt am Terminal ein Gesundheitszentrum entstehen. Betreiber sind der Berliner Klinikkonzern Vivantes und das Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann. Doch das Engagement beider kommunaler Unternehmen in fremden Gefilden stößt auch auf Skepsis.
Vor dem Einchecken noch zum Arzt, der Flugangst oder Schmerzen behandelt, eine Spritze gegen Thrombose gibt – das ist die Vision der zwei Kliniken. „Das Projekt wird funktionieren. In Frankfurt/Main gibt es schon ein Ärztezentrum am Flughafen, das erfolgreich ist“, sagt Steffen Grebner, Geschäftsführer des städtischen Klinikums in Potsdam. Zwölf Ärzte sollen unter dem Dach der „Airport City“ arbeiten. Stationäre Betten sind nicht vorgesehen.
Das Millionen-Projekt wurde bereits im Februar angekündigt, zu Details in den vergangenen Monaten jedoch geschwiegen. Eine Hürde war bislang, dass sich kommunale Unternehmen nicht in anderen Gemeinden wirtschaftlich betätigen dürfen. Dieses Örtlichkeitsprinzip ist in der Kommunalverfassung geregelt. Doch in der rot-roten Landesregierung gibt es Überlegungen, diese örtliche Beschränkung aufzulockern.
Die Stadt Potsdam trieb das Vorhaben trotz dieser Beschränkungen voran. Mittlerweile wurde auch die Gemeinde Schönefeld als Partner gewonnen, die ursprünglich Bedenken geäußert hatte. Zusätzlich zur BBI-Ambulanz soll nun ein vom Ort seit Jahren gewünschtes Ärztehaus am Marktplatz errichtet werden, wie Grebner berichtet. „Kommunen können sich untereinander helfen, für unsere Bürger ist das doch eine Verbesserung“, sagt Bürgermeister Udo Haase. Private Investoren hätten sich für das medizinische Versorgungszentrum im Ortskern nicht interessiert. Jetzt soll bald ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Kommunen unterschrieben werden. Hierfür müssen die Abgeordneten der Airport-Gemeinde noch ihre Zustimmung geben.
In der Ärzteschaft wird das Gesundheitszentrum am BBI bislang skeptisch gesehen. „Der Bedarf an Fachärzten ist in Dahme-Spreewald bereits abgedeckt, es müsste eine Sonderregelung beantragt werden“, heißt es in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg. Dies müsste mit ansässigen Medizinern diskutiert und letztlich im Zulassungsausschuss genehmigt werden. „Erst bauen, dann beantragen – das geht jedenfalls nicht.“ Eine andere Möglichkeit sei, Arztsitze von Kollegen aufzukaufen, dann nach Schönefeld zu verlegen und mit eigenen Medizinern zu besetzen.
Grebner glaubt jedoch, die KV überzeugen zu können. „Die Bevölkerung in Schönefeld wächst, Millionen zusätzlicher Passagiere werden erwartet. Der Bedarf an weiteren Ärzten ist da.“ Im Gesundheitsministerium wartet man noch auf konkrete Vorstellungen der Kliniken. Dort hofft man auch, dass im Zuge des Projekts eine Quarantänestation „für Fälle außerordentlicher Vorkommnisse“ entsteht.
In der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald zeigt man ebenfalls keine Begeisterung für die Flughafen-Ambulanz. „Es ist nicht nett, dass sich Potsdamer und Berliner Klinken hier tummeln wollen“, sagt der Wirtschaftsdezernent Wolfgang Schmidt, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Dahme-Spreewald. Er habe „Zweifel“, ob sich das Projekt wirtschaftlich trage. „Welcher Patient geht denn mit Ohrenschmerzen gleich zum Flughafen-Arzt?“
Kritik kommt auch von der CDU-Landtagsfraktion. Das Engagement der Potsdamer Klinik am BBI wäre „eine neuerliche Grenzüberschreitung in der immer ausufernderen Betätigung kommunaler Unternehmen“, sagt die Fraktionschefin Saskia Ludwig. Sie fordert, dass sich auch städtische Krankenhäuser auf die Daseinsvorsorge innerhalb der Ortsgrenzen beschränken. „Es kann nicht Aufgabe kommunaler Unternehmen sein, sich mit Steuergeldern gegenseitig Konkurrenz zu machen.“ Die Berliner Flughäfen wollen dagegen keine Stellungnahme abgeben.
Die Investitionen sind für das Klinikum Ernst von Bergmann zudem nicht unerheblich: 2,5 Millionen würde der Anteil an den Investitionskosten beantragen, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Ein Zeitplan für die Eröffnung steht laut Klinikchef Grebner noch nicht fest. „Wir müssen noch einige Gespräche führen.“
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