Golzow (moz) Das heutige Filmmuseum „Kinder von Golzow“ ist vor zehn Jahren als Ausstellung aus der Taufe gehoben worden. Aus diesem Anlass lädt der Trägerverein Golzower für Golzow am kommenden Freitag zu einer langen Filmnacht ein. Das Jubiläum ist auch Anlass, die weitere Entwicklungstrategie des Museums zu diskutieren.
„Bravo! Ihr Golzower könnt sehr stolz sein. Denn wer überhaupt hat so eine Kinder-Jugend-Erwachsenen-Dokumentation aufzuweisen. Und euer ,Winne‘ der Filmvater hat hier seinen festen Platz.“ So wie Roswitha und Klaus Drescher aus Magdeburg haben sich viele Besucher des Filmmuseums in Golzow im Gästebuch verewigt. Junge Erwachsene freuen sich darüber, mehr über das Leben der Eltern und Großeltern zu erfahren: „Vielen Dank für eine andere Sicht auf die Dinge“, schreiben zum Beispiel Janette aus Schwedt und Jan aus Neulewin ins Gästebuch. Als Bereicherung, Horizonterweiterung lobt ein Gast aus den Niederlanden die Ausstellung. Und der Landwirt Hans-Georg von der Marwitz, der nach der Wende aus dem Westen ins Oderbruch-Dorf seiner Ahnen zurückgekehrt war, bekannte kürzlich, dass ihm erst die Filme der „Kinder von Golzow“ dazu verholfen haben, die Mentalität seiner damals neuen Nachbarn zu verstehen.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht zwei oder drei „Durchreisende“ im Golzower Filmmuseum anklingeln. In diesem Jahre waren es bereits 740 Gäste – trotz Hochwasser und Fußball-WM. Sie hätten davon gehört oder gesehen und nun wären sie endlich mal da. Das Interesse an der Langzeitdokumentation „Die Kinder von Golzow“ ist ungebrochen. Die Arbeitsutensilien von Barbara und Winfried Junge wie die Schneidetische, die Kamera-Stative oder der Lichtgalgen sind dort zu bestaunen und in Aktion zu erleben. Ein Mini-Kino ermöglicht es, ganz nach Belieben stundenlang Filme zu schauen. 20 Filme sind es, mehr als 40 Stunden Dokumentation zwischen 1961 und 2006.
Dort, wo sie gedreht wurden, ist mit Elke Hinkelmann eines der Filmkinder Museumsleiterin. Gerade wieder Oma geworden, weiß sie auch gut über die Situation der meisten ihrer einstigen Klassenkameraden Bescheid. Es ist eine große Familie.
Inzwischen aber mehren sich auch besorgte Anfragen. So haben sich Christine Stoltmann und Karlheinz Scholz an Barbara und Winfried Junge mit der Bitte gewandt, alles dafür zu tun, dass mit Elke Hinkelmann auch künftig eine authentische Persönlichkeit das Museum führt: „Diese Ausstellung ist ein zu schützendes Kulturgut und muss deshalb von kompetenten Personen geführt werden.“ Ende Mai nächsten Jahres, also kurz vor dem 50. Einschulungsjubiläum der Filmkinder, läuft die geförderte Stelle der Museumschefin aus. Sollte es dafür wieder nur eine befristete Stelle geben, ist die Kontinuität der Museumsarbeit gefährdet.
Davon ist auch Golzows Bürgermeister Klaus-Dieter Lehmann überzeugt. Denn seit der Museumseröffnung vor zwei Jahren warten rund 350 Filmrollen noch nicht gezeigten Materials der Langzeitdokumentation und unzählige Tonbänder auf eine Auswertung und Präsentation. Hinzu kommt die umfangreiche Archivarbeit, die nur in Kooperation mit dem Gemeindezentrum zu bewältigen ist. Lehmann, der FDP-Fraktionschef im Kreistag ist, will die politische Diskussion dazu anstoßen. „Wir haben bereits in der FDP-Kreistagsfraktion darüber beraten, ob es möglich ist, dass der Kreis das Museum unterstützt. Im Zusammenhang mit der Frage der Zukunft der Kultur GmbH stelle sich auch die Frage, wie mit solchen Einrichtungen umgegangen wird, die zwar nicht in dieser Gesellschaft sind, aber ebenfalls eine bedeutende kulturelle Arbeit leisten.“
Landrat Gernot Schmidt betont: „Die Kinder von Golzow sind die größte Dokumentation der Alltagsgeschichte. Und diese wertvolle Sammlung wird kulturhistorisch weiter an Wert gewinnen. Projekte des Museums können über Fördermöglichkeiten sicher eine Unterstützung erfahren. Ein Zuschuss für Personalkosten kann jedoch nicht erfolgen.“
Ines Mischker, Vorsitzende des Trägervereins, will möglichst viele Partner gewinnen, um die bislang vom Verein allein getragene finanzelle Last auf breitere Schultern zu verteilen. So könnte es einen Förderkreis „Kinder von Golzow“ geben, dem sich Institutionen von Bund, Land und Kreis gemeinsam mit Fördermitgliedern an der Finanzierung des Museums und der Museumsarbeit beteiligen.
l Die Filmnacht startet am 3. September um 21 Uhr auf dem Platz an der Feuerwehr in Golzow (bei schlechtem Wetter in der Oderbruchhalle). Der Eintritt ist frei.
l Erster Film: „Diese Golzower – Umstandsbestimmungen eines Ortes.“ Der 100 Minuten lange Film wurde 1984 gedreht. Er spielt rund um die Festwoche zum 675-jährigen Bestehen Golzows und ist ein Porträt des Dorfes in der DDR, seiner Landschaft und Landwirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart.
l Diskussionsrunde mit den Filmemachern Barbara und Winfried Junge, zu der sich auch einige der Filmkinder angesagt haben.
l Zweiter Film: „Drehbuch – Die Zeiten – Drei Jahrzehnte mit den Kindern von Golzow und der DEFA“. Der 248 Minuten lange Nachwende-Streifen aus dem Jahre 1992. Es ist der erste filmische Rückblick nach dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR im Rahmen eines Wiedersehens der „Kinder von Golzow“ am ersten Jahrestag der deutschen Einheit und ihrer gemeinsamen Fahrt nach Hamburg.
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