Frankfurt (Oder) (moz) Die Marienkirche ist das Wahrzeichen Frankfurts. Ihre Geschichte spiegelt die Stadtgeschichte wider. Wer die 237 Stufen des Nordturms erklimmt, wird mit einer schönen Aussicht belohnt.
Aussicht im Regen: Peggy Hartung (l.) und Thomas Maag aus Tauberbischofsheim auf dem Turm der Marienkirche.
Peggy Hartung und Thomas Haag aus Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg sind für einen Tag nach Frankfurt gekommen. Die beiden verbringen ihren Urlaub am Scharmützelsee und wollen einige Orte in der Region kennenlernen. Es geht eine enge Wendeltreppe hinauf. Die Schritte hallen von den Ziegelwänden wider. Der Puls wird schneller. Tief durchatmen. Endlich ist die Aussichtsplattform erreicht. Nur die kupferne Turmspitze mit ihren goldenen Turmknöpfen ist jetzt noch höher. Mit seinen Zinnen erinnert der Turm an eine mittelalterliche Burg. Trotz des trüben Wetters freuen sich Peggy Hartung und Thomas Maag über die Aussicht: im Osten die Oder und das polnische Slubice, im Norden das Oderbruch. Im Süden ragen die Schlote von EKO in Eisenhüttenstadt aus dem Dunst auf. Auch der Blick nach unten lohnt sich: die fünf Kirchenschiffe, die mit 85.000 Steinen gedeckt sind, das Rathaus, die Universität und das Kleist-Museum. Wer hier oben steht, hat den Überblick über die Altstadt.
Diese Altstadt brannte Ende April 1945 fast vollständig nieder. Unter den Gebäuden, die in den Flammen zerstört wurden, war auch das Wahrzeichen der Stadt: die Marienkirche von 1253, dem Gründungsjahr der Stadt. Bis heute gebe es keine gesicherten Dokumente über die Zerstörung, sagte Wolfgang Töppen, Pfarrer im Ruhestand und ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins der Marienkirche. Doch es gelte als sicher, dass Truppen der Roten Armee oder Teile der polnischen Befreiungsarmee die Stadt in Brand gesetzt hätten. Über 65 Jahre nach Kriegsende ist aus der Ruine wieder eine Kirche geworden. Rußgeschwärzte Wände erinnern noch heute an den Feuersturm. In jahrzehntelanger Arbeit wurde die Kirche mit Unterstützung des Fördervereins Stück für Stück wieder aufgebaut. Fertig ist sie aber noch lange nicht. Die Restaurierung geht weiter. Als nächstes soll ein Glockenstuhl gebaut werden, damit im Turm wieder echte Glocken läuten können.
Die geführte Turmbesteigung ist zu folgenden Zeiten möglich: montags und mittwochs um 14 Uhr, sowie freitags, samstags und sonntags um 11 und um 14 Uhr. Kosten: vier Euro pro Person.
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