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Britta Gallrein 31.08.2010 19:06 Uhr - Aktualisiert 01.09.2010 07:24 Uhr
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Todkranker Kater in der Heide ausgesetzt

Ladeburg (moz) Kater Jonny hatte Glück. Wären Helga Gent und Edith Schmidt nicht gewesen, wäre der schwarz-weiß gefleckte Vierbeiner elendig verendet. Seine Besitzer hatten ihn ausgesetzt. Solche Fälle kommen leider immer öfter vor, klagen Tierschützer.

  Helga Genth, Edith Schmidt und Kater Jonny © Renate Jentsch

Eigentlich wollten die beiden Frauen aus Zepernick Pilze sammeln in der Schönower Heide. Dabei hatten sie wenig Glück. Statt dessen entdeckten sie ein kleines Kätzen, das mitten in der Heide, weit ab von menschlicher Behausung, hockte. Die beiden Frauen machten sich Sorgen um das offenbar herrenlose Tier. „Ich dachte mir aber, das Kätzchen reißt sowieso aus, wenn wir versuchen, es anzufassen“, berichtet Helga Genth. Doch als sie sich ihm näherten, blieb der kleine Kater an seinem Platz sitzen. Die beiden Frauen erkannten sofort, dass das Tier in der Gluthitze dieser Augusttage lange Zeit nichts gefressen und getrunken hatte. Sie handelten schnell. „Weil ich zuckerkrank bin, hatte ich zum Glück eine Flasche Wasser dabei“, berichtet Edith Schmidt. Sie kippte etwas von dem kühlen Nass in einen Trinkbecher. Sofort steckte der Kater seinen Kopf in den Becher und trank ihn gierig aus. „Helga hatte eine Stulle dabei, die hat sie ihm gegeben“, erzählt Edith Schmidt weiter.

Warum er nicht weggelaufen war, wurde schnell deutlich. Er war so entkräftet, dass er gar nicht mehr laufen konnte. „Wenn wir die Katze hier sitzen lassen, können wir nachts nicht mehr schlafen“, entschied Helga Gent. Kurz entschlossen beendeten die Frauen die Pilzsuche, schnappten sich den Kater und brachten ihn auf dem Fahrrad in das Tierheim in Ladeburg.

Dort stellte sich heraus, dass das Tier nicht nur halb verhungert und verdurstet, sondern auch verletzt war. Sein Kieferknochen war gebrochen, das linke Vorderbein und der Schwanz trugen alte Bissverletzungen, die zum Teil schon vereitert waren. Und er sah zwar aus wie ein kleines Kätzchen, war aber schon 14 Jahren alt. Von den Wunden und der langen Zeit ohne Futter und Wasser erholte sich das Tier zwar, Jonny wird trotzdem nicht mehr lange leben. „Wir haben einen Darmtumor bei ihm entdeckt“, berichtet Tierarzt Carsten Löffelholz. Eine Operation habe kaum Aussicht auf Erfolg. „Meistens haben die Tumore schon gestreut und die Tiere verenden kurze Zeit später“, weiß der Mediziner. Um dem Kater ein langes Leiden zu ersparen, wird er nun eingeschläfert. Für Jonny ist es trotzdem die bessere Alternative, denn er wird nach der Spritze des Tierarztes sanft einschlafen, statt schmerzhaft und lange zu leiden, wie es wohl geschehen wäre, wenn die beiden Frauen ihn nicht gefunden hätten.

„Wer ist so herzlos und setzt ein so verletztes Tier aus?“, fragt sich Renate Jentsch, die sich im Tierheim um die rund 60 Katzen kümmert, die dort auf ein neues Zuhause warten. „Er hatte in seinem Zustand ja gar keine Chance, sich Futter zu beschaffen.“

Doch leider ist Jonny kein Einzelfall. „Allein an diesem Wochenende wurden drei Hunde ausgesetzt“, berichtet Frank Hennig, der Leiter des Tierheims. „Sie wurden alle einfach angebunden. Einer am Zaun des Tierheims, einer in Bernau und einer in Werneuchen.“ Über den Grund, weshalb Menschen ein Tier, das sie oft Jahre ihres Lebens begleitet hat, einfach aussetzen, kann er nur spekulieren. „Wenn man ein Tier bei uns abgibt, muss man eine Gebühr bezahlen, die sich unter anderem nach dem Impfstatus richtet. Bei einem Hund können das so um die 150 Euro sein. Viele wollen sich das Geld sparen und setzten das Tier eben aus.“ Dabei ist dies ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und wird mit Geld- und sogar Freiheitsstrafen geahndet. „Wir bringen jeden Fall zur Anzeige und oft kann der Besitzer im Nachhinein ermittelt werden“, macht Hennig deutlich. „Das handelt sich nicht um ein Kavaliersdelikt.“ Schlimm sind vor allem die Fälle, wo Tiere in Situationen zurückgelassen werden, aus denen sie sich nicht selbst befreien können. So musste ein Hund, den seine Besitzer im Wald anbanden, jämmerlich verdursten.

Das Schicksal blieb Jonny dank dem Eingreifen der beiden Tierfreundinnen erspart. Um Tieren wie ihm zu helfen, ist das Tierheim auf Spenden angewiesen.

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