Eberswalde (moz) Mit einer Straßenaktion auf dem Markplatz hat gestern die Bürgerinitiative „Biosphäre unter Strom“ auf den geplanten Bau der „Uckermarkleitung“ aufmerksam gemacht. Für das Vattenfall-Vorhaben läuft zurzeit das Genehmigungsverfahren. Noch bis zum 27. September können Bürger ihr Veto einlegen.
„Kommen Sie ruhig näher, kommen Sie ran, jetzt fängt das Theater an!“ Einem Marktschreier gleich ruft Thomas Pfeiffer von der Bürgerinitiative (BI) den Eberswaldern zu. Und sogleich löst sich die Doppeldeutigkeit seiner Worte auf. Die Golzower Gruppe „Spilwut“ tritt in Aktion – gemeinsam mit einem Stelzenläufer in Gestalt eines riesigen Strommastes. Parallel informieren die Freileitungsgegnern an einem Stand über das Vorhaben der 50Hertz Transmission GmbH (Vattenfall). Ein Vorhaben, das mit der Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens Mitte August in die entscheidende Phase getreten ist. Denn jetzt wird es ernst. Jetzt geht es um die Genehmigung, erklären die Protestler den Bürgern.
Ein Ehepaar aus Heckelberg, eher zufällig in Eberswalde, wirft einen Blick auf die große Übersichtskarte – und staunt nicht schlecht. Das Projekt sieht zwischen Bertikow (Uckermark) und Neuenhagen (Märkisch-Oderland) insgesamt 342 Masten vor. Allein im Oberbarnim sind es 80 – die Trasse führt aus Norden kommend an Klein Ziethen vorbei durch Senftenhütte und Buchholz nach Eberswalde, von dort weiter Richtung Süden. Rosemarie Luczus aus Eberswalde wohnt zwar in der Stadtmitte, dennoch will sie einen Einwand erheben. Man müsse über den eigenen Tellerrand hinausschauen und „auch für andere mitdenken“, so die Eberswalderin, die deshalb zwei Vordrucke mitnimmt.
Carsten Zinn, Ortsvorsteher im Brandenburgischen Viertel, räumt ein, dass es sehr schwer sei, die Menschen für das Thema überhaupt zu sensibilisieren. Solange es sie nicht ganz direkt betreffe, beschäftigen sie sich nicht mit den Unterlagen. Im Übrigen schrecke natürlich allein der Aktenberg. Die Planung umfasse 15 Ordner, und auch sprachlich sei das Papier „eine echte Zumutung“.
Cornelia Behm, Bundestagsabgeordnete der Grünen, appelliert an die Eberswalder, die Zeit bis zum 27. September zu nutzen. „Je mehr Einwendungen, desto größer ist der Druck.“ Netzausbau sei zwar nötig, sagt die Politikerin. Aber nicht in dieser Form. Sie plädiert für eine Erdverkabelung im Bereich der Biosphäre, die mit Freileitung ihren Charakter als Erholungslandschaft verlieren würde, und im Eberswalder Stadtgebiet.
Bei Hartmut Lindner aus Senftenhütte hingegen sind bereits mehr als 30 Einwendungen eingegangen. Und auch für Roman Streisand von „Spilwut“ steht fest, dass er Veto einlegt. Schließlich soll die Leitung an seiner Gartenpforte vorbeilaufen. „Ich bin extra nach Schönhof gezogen, um Platz und Ruhe zu haben …“
Öffentliche Anhörung heute, 16 Uhr, Klosterkirche Angermünde mit den Schwerpunkten: Gesundheitsgefährdung, Kulturlandschaftsbild, Naturschutz sowie Notwendigkeit der Leitung und Alternativen
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