Beeskow (moz) Petra-Juliane Wagner vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat vor dem Bauausschuss des Kreises Oder-Spree ein Referat über alternative Bedienformen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gehalten. Die Expertin war vom ÖPNV-Beauftragten des Kreises, Rainer Hellmich, eingeladen worden.
Petra-Juliane Wagner schilderte zunächst den Hintergrund der Bemühungen, zusätzlich zum bestehenden Linienverkehr von Bussen und Bahnen alternative Verkehrsformen in Brandenburg zu etablieren. Grund sind die dünne Besiedelung einiger Landstriche sowie die zunehme Alterung der Bevölkerung. Als Beispiele nannte sie Rufbusse und Bürgerbusse. Bei ersteren handelt es sich um Angebote, die, wie der Name schon sagt, per Telefonanruf zu bestellen sind. Dies könne entweder auf festgelegten Linien zu festgelegten Zeiten oder auch zeitlich und/oder örtlich flexibel gehandhabt werden. Hier sei es sinnvoll, die Taxiunternehmen vor Ort mit ins Boot zu nehmen, um keine Verdrängungsprozesse zu erzielen: „Die Taxiunternehmen wollen schließlich auch leben“, so Petra-Juliane Wagner.
Bürgerbusse dagegen verkehren stets auf festgelegten Linien zu festgelegten Zeiten. Sie seien eine Ergänzung des Liniennetzes und liefen unter der Konzession der jeweiligen Verkehrsgesellschaft vor Ort. Im Gegensatz zu „regulären“ Buslinien seien die Bürgerbusse von privaten Vereinen getragen und würden von ehrenamtlichen Fahrern bedient. Sie nannte in diesem Zusammenhang den Bürgerbusverein Lieberose beim Namen, der seit wenigen Wochen in der Schwielochseeregion das Angebot der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald ergänzt. Petra-Juliane Wagner warb dafür, sich mit dem Thema alternative Verkehre im Kreis zu befassen: „Für einen Kilometer Linienverkehr können Sie zwei Kilometer Rufbus anbieten.“
Der ÖPNV-Beauftragte des Kreises, Rainer Hellmich, stellte in der anschließenden Diskussion klar, dass alternative Nahverkehrsangebote bei gleichbleibendem Kreisbudget nur über Einschnitte im regulären Linienverkehr zu haben seien. „Wir fahren eigentlich einen ganz guten Linienverkehr“, so Hellmich. Er warnte davor, die Linienverkehre durch alternative Angebote infrage zu stellen. „Wir müssen erfahren, was die Bürger wollen, und mit den Kommunen ins Gespräch kommen.“
Einige Abgeordnete des Bauausschusses nutzten die Aussprache, um Kritik am bestehenden ÖPNV-Angebot zu üben. Ausschussvorsitzende Eva Böhm forderte kürzere Taktzeiten und eine gleichmäßigere Verteilung des ÖPNV-Angebotes im Tagesverlauf. So müsse es auch in den Abendstunden ein angemessenes Angebot geben. Sie schlug zudem vor, durch den Einsatz von Kleinbussen Kosten zu sparen. Sie regte an, die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Kreis breit zu diskutieren.
Stefan Wende (Linke) forderte eine Verdichtung der Taktzeiten und eine deutliche Preissenkung: „In einer vergleichbaren Region wie Bad Schandau in der sächsischen Schweiz fährt der Bus häufiger als bei uns, und die Tickets kosten deutlich weniger.“ Die Busse seien dort, wie er erst jüngst gesehen habe, gut gefüllt.
Dirk Wesuls aus Brieskow-Finkenheerd, der als fachkundiger Bürger an der Aussprache teilnahm, monierte lange Fahrtzeiten im Schülerverkehr: „Es kann nicht sein, dass man für 18 Kilometer Luftlinie eine Stunde braucht.“ Häufig müssten Schüler an ungeschützten Umsteigehaltestellen lange auf Anschlussverbindungen warten. Auch Mechthild Tschierschky (Linke) kritisierte das ÖPNV-Angebot: „Warum kommt man abends von Berlin aus nicht mehr mit Bus und Bahn nach Hause?“ fragte sie rhetorisch. „Kürzere Taktzeiten und moderate Preise, und die Busse sind voll. Das ist auch gut für die Verkehrsbetriebe“, so die Abgeordnete.
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