Jahnsfelde/Seelow (moz) Die Region Müncheberg soll Pilotprojekt zur Erprobung der Telemedizin im Kreis werden. Voraussetzung ist, dass der Bedarf ermittelt wird, niedergelassene Ärzte mitmachen und das Land Fördermittel bereit stellt. Im Jahnsfelder Ortsbeirat sah man das Vorhaben als Chance.
„Der Computer soll nicht den Arzt ersetzen“, betont Amtsarzt Steffen Hampel, den wir im Nachgang zur Diskussion im Jahnsfelder Ortsbeirat zur Thematik befragten. „Telemedizin soll vielmehr ein Bindeglied zwischen Arzt und Patient sein.“ Hampel hatte gemeinsam mit Vizelandrat Lutz Amsel die Thematik vor den Ortsvorstehern der Stadt Müncheberg erläutert.
Ortsvorsteher Bernd Gohlke versuchte nun seinerseits, den Ortsbeirat und die anwesenden Bürger zu informieren. Er machte deutlich, dass das Projekt nicht von heute auf morgen umgesetzt wird. Was der Amtsarzt bestätigt. „Frühestens in zwei oder drei Jahren könnte es starten“, sagte er. Es habe auch schon Gespräche mit niedergelassenen Ärzten in Müncheberg gegeben. Zumindest zwei könnten sich vorstellen, daran teilzunehmen. Noch aber seien viele Details zu klären. Das reiche bis hin zur Anschaffung von entsprechender Technik und der Klärung, wo die speziell ausgebildete Krankenschwester in den Ortsteilen ihre Sprechstunden abhält. „Möglich wäre auch, dass sie direkt zu den Patienten fährt“, so Hampel . Es gehe in erster Linie darum, den Arzt zu entlasten.
Vielfach wird das Stichwort Schwester Agnes genannt. In der Tat sieht das Projekt vor, dass Schwestern Patienten aufsuchen oder Sprechstunden anbieten. Die Patienten können wieder kehrende Leistungen vor Ort erhalten, müssen nicht bis in die Arztpraxis. Per Videokonferenz kann die Schwester Untersuchungsergebnisse mit dem Arzt auswerten. Telemedizin ist nicht für akute Notfallsituationen gedacht.
Fest stehe allerdings, dass es ohne Fördermittel des Landes nicht funktionieren wird, sagt Hampel. Darüber sei noch nicht entschieden, auch wenn Ministerin Anita Tack in ersten Gesprächen mit dem Landkreis ihre Unterstützung zugesichert habe. Weitere Voraussetzung wäre, dass Personal da ist. Steffen Hampel spricht von nichtärztlichen Assistenten, die eine höhere Qualifikation als eine normale Schwester haben. Bisher seien im Land 31 ausgebildet worden. Der Mediziner sieht angesichts der demografischen Entwicklung und sich ändernder Krankheitsbilder die Notwendigkeit, zu reagieren. Telemedizin sei dabei nur ein Teil.
Die Jahnsfelder waren sich letztlich einig, dass man es versuchen sollte. Nach allem, was bisher an Informationen kam, wäre es ein zusätzliches Angebot. Als Problem sahen einige allerdings, dass die freie Arztwahl nicht mehr gegeben sei, da die versorgende Krankenschwester nur bei einem Arzt angestellt sein wird. Möglicherweise können sich aber auch zwei Ärzte eine solche Schwester teilen.
l Die Telemedizin ist ein Teilbereich der sogenannten Telematik im Gesundheitswesen und bezeichnet Diagnostik und Therapie unter Überbrückung einer räumlichen oder auch zeitlichen (asynchron) Distanz zwischen Arzt, Apotheker und Patienten oder zwischen zwei sich konsultierenden Ärzten mittels Telekommunikation.
l Telemedizinische Verfahren werden in größerem Umfang seit den 1980er-Jahren erprobt. Triebkraft zur Telemedizin ist eine räumliche Trennung von Arzt und Patient oder Arzt und Facharzt, wie sie in der Raumfahrt (hier auch Telemetrie), bei Expeditionen (Arktis/Antarktis) und in militärischen Einsätzen zu beobachten ist. l Auch großflächige Länder mit einer geringen Einwohnerzahl in entlegenen Gebieten haben früh einen Bedarf für telemedizinische Anwendungen gesehen. Aus diesem Grund sind viele Forschungen in Norwegen erfolgt.
l Die Telemedizin verursacht Fixkosten (Geräteanschaffung zählen etwa dazu) und Betriebskosten (Verbindungskosten, Personalkosten). Noch ist nicht grundsätzlich geklärt, wer diese Kosten übernehmen soll. So stellt die Vergütung und Abrechnung vielerorts ein Hemmnis für die Einführung der Telemedizin dar. Zahlreiche geförderte Projekte wurden nach dem Förderungszeitraum nicht weiter betrieben.
l Die Telemedizin stellt darüber hinaus eine Herausforderung zur Gewährleistung des Datenschutzes dar. Personenbezogene Daten dürfen nur anonymisiert ausgetauscht werden.
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