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Britta Gallrein 01.09.2010 20:05 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Fristlose Entlassung war ein Segen

Bernau (moz) Die Wende bedeutete für viele Berufstätige im Barnim einen großen Umbruch. Viele mussten erleben, wie ihre Betriebe abgewickelt wurden. Einige nutzten jedoch die Chance für einen Neuanfang – so wie das Ingenieurbüro Bering, das gestern sein 15-jähriges Jubiläum feierte.

  Ingenieurbüro Bering feiert 15-jähriges Jubiläum: Ruth Bölke und Hans-Dieter Schmidt (Geschäftsführer) mit Mitarbeiter Holger Tschichholz © MOZ/Gallrein

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub begann für Hans-Dieter Schmidt und Ruth Bölke damals vor 15 Jahren im Bernauer Schichtpressstoffwerk nicht gerade angenehm. „Uns wurde mitgeteilt, dass wir fristlos entlassen seien“, erinnert sich der heute 66-Jährige zurück. Just an dem Tag war nämlich die Anzeige, mit der Schmidt und seine Kollegin Bölke für ihre neue eigene Firma Bering warben, in der Zeitung erschienen – neben der Anzeige ihres Noch-Arbeitgebers, der von ihren Plänen der Selbstständigkeit nichts wusste.

Heute können beide über den Vorfall schmunzeln. „Wir können dem Chef eigentlich dankbar sein, dass er uns rausgeschmissen hat. So mussten wir den Sprung ins kalte Wasser wagen“, erklärt Schmidt.

Er war im Schichtpressstoffwerk der Chef von Ruth Bölke. In einer Abteilung mit 20 Mitarbeitern waren sie als Planungsingenieure für Betriebsanlagen tätig. „Als die Wende kam, war uns klar, dass sie uns als erste einsparen würden“, berichtet Ruth Bölke. Im Februar 1990 machten sich beide auf zur Industrie- und Handelskammer, um sich erklären zu lassen, „wie das geht mit der Selbstständigkeit“. Die Kombination mit ihm als Fachmann für Elektrotechnik und ihr als Expertin für Heizung, Lüftung und Sanitärtechnik – das müsste doch eine gute Mischung sein, fanden sie. Die IHK vermittelte ihnen den Kontakt zu einer Westberliner Firma – eine Kooperation, die den beiden Neueinsteigern viel half. „Wir mussten lernen, wie alles läuft“, berichtet Ruth Bölke heute.

Die beiden fuhren von Anfang an eine sehr konservative Unternehmensphilosophie. „Man kann nur das investieren, was man erwirtschaftet hat“, fasst es Hans-Dieter Schmidt zusammen. Kredite haben sie bis heute nie in Anspruch genommen. „Das hätte uns in den schweren Zeiten wahrscheinlich auch das Genick gebrochen“, ist Ruth Bölke auch heute noch überzeugt. Beide investierten Privatvermögen in die Ausstattung der Büroräume.

Die „Goldgräberstimmung“ nach der Wende und auch die richtigen Kontakte zur richten Zeit halfen dem jungen Unternehmen, auf die Beine zu kommen. „Wir konnten uns damals vor Arbeit nicht retten, arbeiteten aber dafür oft auch 24 Stunden durch“, erinnert sich Hans-Dieter Schmidt zurück. Auch die Familie wurde eingespannt. „Damals gab es noch keine Farbdrucker. Die Familie musste am Wochenende helfen, die Zeichnungen einzufärben.“

Zu Spitzenzeiten arbeiten für Bering acht Mitarbeiter. Einen Einbruch gab es 2003/4. Die Auftragslage ging zurück, die Kommunen – Hauptarbeitgeber der Firma, mussten sparen. „Wir mussten schnell handeln und sind in den Keller meines Hauses gezogen, um Mietkosten zu sparen“, sagt Ruth Bölke. „Das wichtigste war: Die Firma muss überleben.“

Das tat sie. Mittlerweile ist die Auftragslage wieder gut. Die Firma ist für die Stadt Bernau, den Landkreis, die Wobau und auch die Bundeswehr ein verlässlicher Geschäftspartner, erstellte unter anderem am Barnim-Gymnasium und der Epilepsieklinik die komplette Haustechnik. Und die Sparte boomt. „Durch das CO2-Gesetz der Bundesregierung müssen viele alte Kesselanlagen umgebaut werden, da gibt es viel zu tun“, weiß Ruth Bölke. „Die alternativen Energien werden in den nächsten Jahren unser Brot sein.“ Für gefüllte Auftragsbücher sollte also gesorgt sein.

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