Fürstenwalde/Erkner (moz) und Joachim Eggers
Der Doppel-Jahrgang – am Fürstenwalder Geschwister-Scholl-Gymnasium ist er zahlenmäßig unübersehbar. 176 Schüler sind in die zweijährige Kursphase gekommen, die ins Abitur münden soll – etwa die Hälfte aus 11. und aus 10. Klassen, sagt Oberstufen-Koordinatorin Margit Skala. Ihr Kollege am Erkneraner Bechstein-Gymnasium, Gerd Nordheim, hat 140 Schüler in der fusionierten Klassenstufe. Zum Vergleich: In diesem Jahr hatten 117 Schüler in Erkner Abitur gemacht. Nun sind aus den zwei 10. und vier 11. sechs Klassen geworden. Am katholischen Bernhardinum handelt es sich dagegen um nur 90 Schüler, so Leiter Gerhard Eichin. „Wir haben frühzeitig gegengesteuert, um diesen Jahrgang klein zu halten.“
Nordheim räumt ein, dass die neuen Abitur-Anwärter unterschiedliche Vorkenntnisse haben – trotz der 34 und 35 Wochenstunden in der 9. und 10. Klasse, über die der Vorsprung der höheren Klasse aufgeholt werden sollte. „Spannend, wie das jetzt funktioniert.“ Dabei werde viel von den Tutoren und Fachlehrern erwartet: „Sie sollen sehr sensibel mit der Thematik umgehen und genau beobachten, um den Schülern zu helfen, auf ein gemeinsames Niveau zu kommen.“ So solle es in einigen Fächern Förderunterricht geben.
Doch bei 34 Wochenstunden haben die Jugendlichen bereits jetzt täglich bis zur 8. Stunde Unterricht, außer freitags. Nordheims Fazit: „Die ehemaligen Elftklässler haben zumindest einen Souveränitätsvorsprung, weil sie sich mit dem Arbeitsstil in der Oberstufe bereits vertraut machen konnten.“
Auf die Vorbereitungen in den früheren Klassen verweist auch Margit Skala. Die Lehrpläne seien angepasst worden, die bisherigen Zehntklässler hätten manches gelernt, was früher erst in der 11. dran war. Auch Eichin sagt, man habe versucht, den Übergang abzufedern. „Aber in der 10. Klasse ging es am Ende um den Mittleren Schulabschluss, auf den die Schüler sich konzentrierten.“ Eichin macht kein Hehl daraus, dass er von der Umstellung auf 12 Jahre wenig hält. „Bildung braucht Zeit“, argumentiert er. Dass auch im Ausland 12 Jahre schon immer Standard sind, lässt er nicht gelten. In Frankreich müssten die Universitäten das nachholen, was in Deutschland an den Schulen gelaufen sei.
Und was sagen die Schüler? „Es ist schwierig, sich darauf einzustellen. Man merkt schon, welche Schüler den Stoff ausführlicher hatten“, sagt Lisa Schwedowski, ehemalige Zehntklässlerin in Erkner. Adrian Hahn meint, es sei zunächst recht interessant, weil er viele neue Leute nun treffe. Und: „Bis jetzt finde ich es noch nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Allerdings seien Unterschiede bei Wortwahl und Mitarbeit bemerkbar, ergänzt der Ex-Zehntklässler. Und Matti Döring sagt: „In manchen Fächern merkt man nicht viel, in anderen hat man richtig Angst.“ Insgesamt ziehe das Niveau an, er fühle sich aber nicht durch die Älteren von oben herab behandelt. In Fürstenwalde berichten die ehemaligen Zehntklässlerinnen Maxi Rösler und Selina Silbernagel von gemischten Erfahrungen. „Man hat manchmal Hemmungen sich zu melden“, sagt Maxi. In einem Pädagogik-Kurs merke sie aber wenig Unterschiede. Ohnehin sind die Gruppen relativ stark getrennt, wie auch der Ex-Elftklässler Alexander Rosin bestätigt. „Nur die Tutorengruppen haben sich geändert“, die machen aber nur wenige Wochenstunden aus. Rebecca Diener, eine ehemalige Elftklässlerin in Erkner, blickt bereits aufs Abitur: „Man macht sich schon Gedanken, wie das bei so vielen Abiturienten in zwei Jahren mit den Studienplätzen in Berlin und Brandenburg aussehen wird.“
Bei 13 Jahren bleibt es am Oberstufenzentrum Palmnicken, die 11. Klasse bleibt Orientierungsphase. Knapp 10 Schüler haben vom Scholl-Gymnasium nach Palmnicken gewechselt, so Margit Skala.
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