Schwedt (moz) Klaus Niemann, langjähriger PCK-Chef, ist am Mittwoch an den Uckermärkischen Bühnen offiziell in Schwedt verabschiedet worden. Hundert Weggefährten, Wirtschaftskapitäne, Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker aus Deutschland und Polen sagten „Auf Wiedersehen“. Darunter Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).
Letzter Akt am Theater: Ministerpräsident Matthias Platzeck (2. v. r.) verabschiedet sich an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt von Klaus Niemann (2. v. l). Dessen Nachfolger, Jos van Winsen (r.), sagte er eine gute Zusammenarbeit zu.
Niemann geht nach Moskau. Deshalb gab es viel Abschiedsworte in russischer Sprache und Geschenke von der russischen Offiziersschapka bis zum Zarenwodka. Der langjährige Schwedter Raffineriechef wird bei TNK BP Russland Raffineriedirektor, zuständig für sechs Raffinerien in Russland und in der Ukraine. Diese haben als Gruppe das Fünffache der Rohölkapazität von Schwedt. Schwedt hat in den besten Jahren zwischen elf und zwölf Millionen Tonnen Rohöl im Jahr verarbeitet. In diese Raffinerien der BP-Gruppe sollen in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Dollar investiert werden.
Ministerpräsident Platzeck würdigte den Raffineriechef als „überaus kritischen, drängenden, fordernden Partner“ der Landesregierung, dem es nie egal war, wie es der Stadt und ihrer Kultur geht. Niemann hatte als Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins „Pro Brandenburg“, Mitglied im Aufsichtsrat der ZukunftsAgentur Brandenburg und als Vizepräsident der IHK Ostbrandenburg die Interessen des Unternehmens, der Stadt und des Kreises landesweit hörbar gemacht. Die Raffinerie hat in den letzten acht Jahren ihren Spitzenplatz unter den effizientesten Raffinerien Europas gehalten und zirka 500 Millionen Euro investiert. Möglich gemacht habe das ein „tolles Team in der Raffinerie“, bedankte sich Niemann beim Abschied bei seinen Mitarbeitern. Die revanchierten sich mit einem Neun-Minuten-Abschiedsfilm bei ihm.
In Niemanns Dienstzeit in Schwedt fielen der Start der Herstellung biogener Kraftstoffe und der damit verbundene Aufbau einer Biodiesel- und einer Bioethanolfabrik im PCK-Industriepark sowie entsprechender Anlagen in der Raffinerie. Unvollendet blieb die Ansiedlung einer großen Fabrik zur Produktion biogener Kraftstoffe der zweiten Generation. Niemann war auch am Friedensschluss zwischen Nationalpark und Schwedter Wirtschaft federführend beteiligt. In den letzten Monaten seiner Dienstzeit im PCK hatte er an der Strategie „PCK 2020“ gearbeitet. Sein Nachfolger Jos van Winsen wird sie umsetzen. Dessen wichtigste Aufgabe dürfte sein, den Standort Schwedt so kostengünstig wie möglich weiter zu betreiben, die Energieeffizienz zu verbessern und den Generationswechsel im Werk zu bewältigen.
In den PCK-Führungswechsel platzte kürzlich die Nachricht, der staatliche russische Ölkonzern Rosneft stehe offenbar vor einer Beteiligung an vier deutschen Raffinerien. Es wurde berichtet, dass Rosneft den 50-prozentigen Anteil des venezolanischen Ölkonzerns PdVSA an der Ruhr Oel GmbH übernehmen will. Das Unternehmen ist auch an der PCK-Raffinerie in Schwedt beteiligt.
PCK ist heute noch größter Arbeit- und Auftraggeber der Region, zahlt Jahr für Jahr im Durchschnitt 150 Millionen Euro an Lohn und Gehalt und vergibt Aufträge an regionale bzw. Brandenburger Firmen. Hinzu kommt die Unterstützung von Kultur, Sport und sozialen Einrichtungen.
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