Altranft (moz) „Ein Tag im Oderland“ heißt das neue Bildungsprojekt, dass das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) in Potsdam und die Kultur GmbH des Landkreises Märkisch-Oderland gemeinsam entwickelt haben. Die Initiatoren begrüßten gestern zum ersten Projekttag im Freilichtmuseum Altranft die Klasse 6a der Grundschule Letschin. Nach einer Exkursion per Bus durch das nördliche Oderbruch erkundeten sie in Gruppen das Freilichtmuseum.
„Ich war vorher nie in Altwriezen und wusste auch nicht, dass es Rundlingsdörfer gibt“, sagte Mona, Sechstklässlerin von der Grundschule Letschin. „Und ich habe zum ersten Mal erfahren, das Fachwerkhäuser aus Lehm und Stroh bestehen“, so Pascal.
Die 6a der Grundschule Letschin unter der Leitung von Klassenlehrerin Jutta Malek war gestern die erste Klasse, die das neue Bildungsangebot des HBPG Potsdam und der Kultur GmbH des Landkreises wahrnahmen. Die Exkursion der Schüler begann im Oderlandmuseum in Bad Freienwalde, wo sie sich über die Trockenlegung des Oderbruchs informierten. Mit dem Bus fuhren sie zum ehemaligen Fischerdorf Altwriezen, ins älteste Kolonistendorf Neulietzegöricke und zur Deichscharte nach Zollbrücke. Nach dem Mittagessen im Keller des Schlosses Altranft begaben sie sich auf Tour durch das Freilichtmuseum. Dort wurde gestern das Projekt offiziell gestartet.
Seit nunmehr vier Jahren biete das HBPG das Bildungsprojekt „Ein Tag in Potsdam“ an und bringe Schulklassen durch historische Stadtrundgänge die friderizianische Geschichte näher, erklärte dessen Direktor Kurt Winkler gestern in Altranft. Mit dem neuen Angebot knüpfe die Potsdamer Institution mit ihrem Kooperationspartner an diese Erfolgsgeschichte an. Viele Schulen im Land hätten bereits angefragt, ob es nicht weitere Touren gebe, wo den Kindern Geschichte erlebbar gemacht werde.
Das Projekt „Der Tag im Oderbruch“ enthält zwei Touren, eine für die Primarstufen vier bis sechs, die sich mit der Trockenlegung des Oderbruchs, seiner Kolonisation und den Lebensbedingungen der Menschen beschäftigt. Die zweite „Von Kostrzyn/Küstrin zu den Seelower Höhen – Erinnerungen an 1945“ regt Schüler der Klassen 8 bis 13 an, sich an Schauplätzen der Schlacht um die Seelower Höhen mit den Ursachen des Zweiten Weltkrieges und seinen Folgen für das Oderbruch auseinanderzusetzen. Ihr Weg führt von der im Frühjahr 1945 zerstörten Altstadt und Festung von Küstrin zur Gedenkstätte Seelower Höhen. Jede Schulklasse erhält einen Rucksack mit Aufgabenheften, Faltblättern und Kartenmaterial, die sie mit nach Hause nehmen und hinterher im Unterricht auswerten können.
Das Projekt erhält 250 000 Euro als Anschubfinanzierung für zwei Jahre aus dem Europäischen Sozialfonds, die über das brandenburgische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie ausgezahlt werden. Darüber hinaus greift die Sparkasse Märkisch-Oderland den Initiatoren finanziell unter die Arme. Für den Vorstandsvorsitzenden Dietrich Harms bedeutet die Finanzspritze Wirtschaftsförderung. Denn eine Basis seien die derzeit zwölf Gästeführer, die nach den Standards des Deutschen Gästeführerbundes ausgebildet und auf Honorarbasis bezahlt werden. Sie vermitteln den Schülern an den Stationen und im Bus die Lerninhalte.
Das Projekt habe mehrere Effekte, sagte Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums. „Wir haben in unseren Einrichtungen einen Batzen an Bildung, aber Probleme, die Inhalte zu vermitteln.“ Die Lehrer seien häufig dazu nicht in der Lage. „Diese Lücke füllen die ausgebildete Gästeführer“, so Schmook. So bekommen die Museen Leute, die die Inhalte der Sammlungen vermitteln können und sich paar Euro dazu verdienen können.
„Ich bin froh, dass wir die Chance haben, mit dem HBPG zusammenzuarbeiten“, ergänzte Peter Natuschke, Leiter des Freilichtmuseums. Die Startbedingungen in Altranft seien ideal, weil das Museum schon Museumspädagogik anbietet.
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