Wilhelmsaue (moz) Wer die Wilhemshauer Fachwerkkirche am Wochenende betrat, konnte wählen – zwischen Macht und Ohnmacht. Ein kleiner Stempel auf dem Handgelenk entschied über die Thronbesteigung mit den Insignien der Macht oder das Foto mit den erkennungsdienstlichen Angaben als Zeichen der Ohnmacht. Der ganz persönliche Einstieg der Besucher in das Thema des 27. Wilhelmsauer Kunstmarktes: Von Macht und Ohnmacht.
Dieser Kunstmarkt war deshalb weit mehr als die gewohnte Zurschaustellung von künstlerischen Angeboten der Malerei, Grafik, Plastik, der Fotografie, von Schmuck, Keramik, Objekten – er war auch eine Intervention, eine Einmischung in die Gebote und Zwänge von Politik und Gesellschaft in das Leben durch Performence, musikalische Vorträge, durch Expertenmeinungen.
Alles begann wie immer – mit einem Kanon – diesmal von Tobias Morgenstern. Sebastian Undisz studierte ihn mit Künstlern und Gästen zur Eröffnung ein: „Leise und ganz sacht, spüren wir die Macht...“
Um die Macht der Worte ging es auch beim Zitat des israelischen Schriftstellers und diesjährigen Friedenspreisträgers des deutschen Buchhandels David Grossmann. Es zog sich entlang der Bänke von den vordersten bis zu den hinteren Reihen – lesbar im Ganzen jedoch nur von der Galerie. „Für mich besteht die Macht der Worte darin, die Menschen aus einer eingeengten Perspektive zu befreien...“ heißt es in diesem Zitat, das mit den Worten schließt: „Wer der Realität eigene Namen gibt, wird nicht zum Opfer.“
Sich nicht ohnmächtig der Macht beugen oder wie Kenneth Anders in einer seiner 13 angeschlagenen Thesen sagte „Die Antithese zur Macht heißt nicht Ohnmacht“ – das war das Signal, das von den künstlerischen Arbeiten dieses Kunstmarktes ausging. Denn Macht und Ohnmacht begegnen uns täglich und überall.
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