Letschin/Neutrebbin (moz) Am Sonntagnachmittag versammelten sich mehr als 200 Bürgern zur 9. Mahnwache am Letschiner Kirchturm. Jeden ersten Sonntag im Monat vereint die Mahnwache mehrere Initiativen, die gegen ein CO2-Endlager im Oderbruch mobil machen. Am Vortag habe man mit rund 2000 Bürgern in Beeskow gegen die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall mobil gemacht, informierte Rolf Ignaz von der Initiative Mahnwache. Alle Anstrengungen der Industrie und der Politik müssten darauf zielen, CO2 zu vermeiden statt nach technischen Möglichkeiten einer Verpressung zu suchen, forderte er.
Wie jeden Sonntag ertönten auch zur Mahnwache 350 Mal die Letschiner Kirchenglocken, ehe es weitere Informationen gab. „Inzwischen sind wir schon international“, berichtete Hardy Feldmann von der Bürgerinitiative ContraCO2Endlager Neutrebbin. In dieser Woche werde man ein Gespräch im Rathaus in Slubice haben. Denn inzwischen sei klar, dass die Auswirkungen, sollte es zur Verpressung kommen, bis weit nach Polen reichen. Mario Forner vom Verein Wir im Oderbruch erzählte von der Hoffnung zahlreicher Bürgerinitiativen in der Lausitz. Mit ihnen hatte man sich Ende August getroffen. 1995 habe der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe versprochen, dass Horno als letztes Dorf abgebaggert werde. Nun stünden drei weitere auf der Liste. Forner überbrachte auch einen Appell der Lausitzer. „Wer gegen Braunkohleabbau und damit gegen den Raubbau an der Natur ist, der muss auch Alternativen zulassen“, so Forner. Der Appell richtet sich an Initiativen, die gegen Windkraft-, Solar- oder Photovoltaikanlagen mobil machen. „Wenn wir keine Alternativen anbieten, werden wir unglaubwürdig“, sagte Forner.
Neutrebbins Bürgermeister Siegfried Link forderte die Bürger aller Orte auf, bei ihrem Protest zu bleiben und ihn zu verstärken. Inzwischen würden sich immer mehr Experten mit der Thematik beschäftigen und ihre Bedenken äußern. Das sei vor allem Ergebnis des öffentlichen Protestes.
Am 25. September wird im Theater am Rand in Zollbrücke ein Stück „Machwerk“ zum Thema CO2-Endlager aufgeführt.
350 bezieht sich auf 350 ppm (Teilchen pro Million): Dies ist nach Ansicht von Experten die Höchstgrenze für eine ungefährliche CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Der CO2-Anteil hat mittlerweile 390 ppm erreicht. Sinkt die CO2-Konzentration nicht bald, drohen Folgen, wie etwa das Schmelzen der Eisdecke in Grönland oder starke Methan-Emissionen durch das fortschreitende Auftauen von Dauerfrostböden. Die 350 Glockenschläge sollen diese Gefahr verdeutlichen.
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