Groß Neuendorf (moz) „Wer will fleißige Handwerker sehn“, trällern die Steppkes der Kita „Bienenschwarm“ aus Ort- wig. Sie singen vom Maler, vom Fleischer, vom Fischer und Bäcker. Selbst Wolf-Harald Krüger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), bekennt, dass er noch nie so viele Strophen des altbekannten Liedes gehört habe. Letztlich würden die Lütten deutlich machen, wie breit gefächert das Handwerk bis heute ist.
„Die kleinen Betriebe bereichern unser Leben. Ich bin stolz, dass dieser erste Gildebaum bei uns in Groß Neuendorf steht“, so ein strahlender Ortsvorsteher Kai Herrmann. Er selbst hat großen Anteil daran, dass das kleine Wunder gelingen konnte. Mit seiner Firma habe Herrmann alle Technikfragen bei der Aufstellung übernommen, lobt Mario Forner, der Vorsitzende des Vereins „Wir im Oderbruch“ (WiO).
Forner dankt auch dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wolfgang Zithier, dem ODEGA-Geschäftsführer Detlef Brauer sowie den beiden „Machern“ Renate Kohl und Klaus Forner. Letzterer ist der geistige Vater, Renate Kohl diejenige, die an vielen Winterabenden mit Forner sen. die Entwürfe für die Emailleschilder fertigte.
16 Medaillons erzählen jetzt an präsenter Stelle von der langen Tradition der Handwerker im Ort. Dem Handwerk verdanke die Menschheit den Fortschritt, stellt Wolfgang Zithier klar. Es schließe Irrtümer, Erfolge, Können und Kreativität der Vorfahren ein, gebe all das von Generation zu Generation weiter, orientiere sich an Qualität und sei tief mit der Region verwurzelt. Mit 4,8 Millionen Beschäftigten in 970 000 Betrieben und einem Jahresumsatz von mehr als 500 Milliarden Euro sei das Handwerk bis heute eine Wirtschaftsmacht, so Zithier. Das werde leider oft unterschätzt. Deshalb passe die Aktion in Groß Neuendorf auch so hervorragend in die derzeit bundesweit laufende Imagekampagne des Handwerks. „Dieser Gildebaum ist Werbung fürs Handwerk zum Anfassen“, freut sich Zithier. Und Kammerpräsident Krüger wünscht sich, dass dieser erste Gildebaum auch Einzug halten möge in die touristischen Werbeangebote.
Der Handwerkermännerchor umrahmt denFestakt der Enthüllung ebenso wie die Kita-Kinder. Pfarrer Johannes Simang, theologischer Vorsitzender der AG Handwerk und Kirche bei der EKD, segnet alle Handwerker, erinnert daran, dass der Papst schon im vierten Jahrhundert Priester zu Handwerkern schickte. Die Meister seien oft auch die moralische Institution in den Orten gewesen.
Vom Landfrauenverein wird das Areal künftig gepflegt, versicherte Mario Forner. Demnächst werde man die Sitzgruppen aufarbeiten und Blumen in die Erde bringen. Im Landfrauencafé gibt es zudem viele Informationen zum neuen Wahrzeichen.
Auf dem Groß Neuendorfer Gildebaum sind 16 Gewerke dargestellt: Schiffer, Korbmacher, Gärtner, Tischler, Fährmann, Fischer, Schneider, Töpfer, Schuster, Bäcker, Maler, Müller, Fleischer, Kurkelmacher und Klempner. Bei den Recherchen zum Handwerk im Ort wurden 22 Gewerke ermittelt. Ausgewählt wurden letztlich jene, die in mehreren Generationen im Ort wirkten. In der Ausstellung zum Gildebaum im Landfrauencafé sind alle aufgelistet.
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