(moz) Als Thomas Plikat Montagmorgen sein Auto besteigen will, bemerkt er eine Reihe tiefer Kratzer, die sich rund um das VW-Cabriolet befinden. Kein Zweifel: Hier waren Randalierer am Werk. Gegen 11 Uhr, außerhalb der Sprechzeit, begibt er sich zur Beeskower Revierpolizei. Dort eröffnen ihm zwei Beamtinnen, sie hätten im Moment keine Zeit, sich um den Fall zu kümmern. Immerhin hinterlassen sie dem Beeskower die Adresse der Internetwache. Dort könne er ebenfalls Anzeige erstatten. Ernüchtert versucht Plikat es Dienstagvormittag erneut. Auch dieses Mal trifft er auf Beamte, und auch dieses Mal die Bitte, die Sachbeschädigung während der Sprechzeit, also Dienstag und Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr, anzuzeigen. In dringenden Fällen sei die Wache in Eisenhüttenstadt zuständig. Weil der Beeskower im Schichtdienst arbeitet und nachmittags keine Zeit hat, ruft er also die Eisenhüttenstädter Wache an. Die dortigen Beamten spielen den Ball allerdings wieder an Beeskow zurück. Mit einer gehörigen Portion Wut und Unverständnis im Bauch wendet Plikat sich nun an die Lokalredaktion der MOZ. „Das kann doch nicht sein, da kann man den Polizeiposten doch gleich ganz abschaffen!“
Matthias Bröse von der zuständigen Wache in Eisenhüttenstadt, zeigte sich, angesprochen auf den Fall, verständnisvoll. Wenn der Bürger schon außerhalb der Sprechzeiten Beamte angetroffen habe, dann hätten die sich trotz anderer Beschäftigungen Zeit nehmen können, um die Anzeige zumindest entgegenzunehmen.
Dennoch nahm Bröse seine Kollegen angesichts der dünnen Personaldecke in Schutz: „Ich kann aus zwei nicht vier machen.“ Am Montag seien die Beamtinnen tatsächlich auf dem Sprung gewesen, um einen Auftrag abzuarbeiten, und am Dienstag habe zur fraglichen Zeit die Sonderkommission zur Aufklärung der Serienbrände in Beeskow getagt.
Bei Gefahr im Verzug oder wenn ein Täter auf frischer Tat ertappt werde, würden polizeiintern selbstverständlich andere Prioritäten gesetzt als bei einem Sachschaden, der sich bereits ereignet habe, so Bröse. „Der Bürger hat versicherungstechnisch übrigens keinen Nachteil, wenn er die Anzeige nicht am selben Tag zu Papier bringt“, so Bröse.
Polizeisprecher Burkhardt Lehmann sieht es so: „Grundsätzlich ist jeder Beamte in Uniform jederzeit ansprechbar.“ Falls Eile geboten und kein Beamter greifbar, empfiehlt er allerdings, die Notrufnummer 110 anzuwählen. Anzeigen könnten auch jeder Polizeiwache auf dem Postwege zugesandt werden.
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