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Stefan Lötsch 08.09.2010 07:17 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Der Club Marchwitza ist gefährdet

Eisenhüttenstadt (moz) Mit einem Zuschuss von 19 000 Euro hat der Club Marchwitza in diesem Jahr wieder gerechnet, 14 000 Euro werden es aber nur sein. Schon die 19 000 Euro seien ein Mindestbetrag, mit dem die Arbeit gerade noch aufrecht erhalten werden könne, sagte Sven Quenzel, Vorsitzender des Trägervereins InterKulturVielFarben, im Kulturausschuss. Die weitere Kürzung bedeutet, dass man Ende des Jahres kein Geld mehr habe, und folglich Mitarbeitern gekündigt werden müsse. Es gibt zwei halbe Stellen, einen weiteren über das Bundesprogramm Kommunal-Kombi geförderten Arbeitsplatz und eine Jugendliche, die ihr freiwilliges Soziales Jahr im Marchwitza absolviert. Die Planung für 2011 sei angesichts der Ungewissheit infrage gestellt. „Schwierig wird es, wenn die Rechnungen kommen“, so Quenzel.

  Ungewisse Zukunft: Dana Janko, Herbert Meyer und Anne Lehmann (von links) vom Club Marchwitza wissen auch nicht, wie es mit der Einrichtung in der Diehloer Straße weitergeht. © MOZ/Jörn Tornow

„Der Fortbestand könnte gefährdet sein“, sagte die Ausschussvorsitzende Helga Böhnisch (Die Linke). Es sei ein Club, der von Zuschüssen lebt. Frank-Uwe Gerlach, Fachbereichsleiter für Kultur, bestätigte Quenzels Aussagen: „Die Zuschüsse sind nicht in der Höhe ausgereicht worden, wie beantragt.“ Gerlach bekräftigte, dass der Club erhalten bleiben soll. Er gab aber zu, dass man momentan keinen Lösungsvorschlag habe. Der Marchwitza ist vor allem eine Einrichtung für die Kultur- und Jugendarbeit mit einem vielfältigen Programm aus Konzerten, Workshops und Kleinkunstveranstaltungen.

Die aktuell 14 000 Euro für den Club kommen von der EKO-Kulturklubstiftung, die einen Vertrag mit der Stadt hat. Hauptzweck der 2006 ins Leben gerufenen Stiftung war und ist, den Marchwitza zu unterstützen. Holger Wachsmann, SPD-Stadtverordneter und Mitglied im Stiftungsrat, zeigte sich im Ausschuss verärgert. „Ich bin verwundert, dass es so dargestellt wird, dass wir der Totengräber des Clubs sind“, sagte er in seiner Funktion als Stiftungsmitglied. Die Stiftung war vor vier Jahren eingesprungen, als der Marchwitza schon einmal kurz vor dem Aus stand. Damals hatte die Stadt aufgrund eines vom Kreis verordneten Sparkurses die Zuschüsse von 52 000 Euro im Jahr zusammengestrichen. Derzeit erhält der Verein InterKulturVielFarben jährlich 27 500 Euro aus der Stadtkasse, um zwei halbe Personalstellen bezahlen zu können. Doch was nützen die Personalstellen, wenn die Rechnungen für Heizung und Strom der städtischen Immobilie nicht bezahlbar sind?

Mit der Stiftung wurde ein Vertrag geschlossen, dass 19 000 Euro pro Jahr an die Stadt gegeben werden, um unter anderem die Betriebskosten zu decken. Wachsmann erinnerte daran, dass der Club aus der Stiftung inzwischen 145 000 Euro erhalten habe. „Wir haben jedes Jahr mehr Geld gegeben, als wir Zinsen hatten, sind in den Bestand gegangen“, so Wachsmann. Auch die gewährten 14 000 Euro lägen 5000 Euro über den Zinserträgen. Besonders verärgert zeigte er sich, dass im jüngsten Sachstandsbericht zur Kulturentwicklungskonzeption der Stadt unkommentiert über die Zuschusskürzung und deren Folgen berichtet wird.Er sagte darüber hinaus, dass es ein Schreiben des Finanzamtes gebe, dass so nicht weiter gefördert werden könne. Ansonsten würde die Gemeinnützigkeit der Stiftung aberkannt.

Neben der Kulturklubstiftung, initiierte das EKO, das jetzige ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, auch die Stahl-, die Bürger- und Bildungsstiftung. Beim Stadtfest sagte Geschäftsführer Thorsten Brand: Die Mittel, die in diesen Stiftungen sind, seien recht gut angelegt. „Sie werfen weiterhin Erträge ab. Wir bemühen uns, in den Beiräten der Stiftungen in der Regel nicht von der Substanz zu leben, sondern nur von den Zinserträgen.“ Manchmal gebe es Ausnahmen. „Insofern, ist ziemlich sichergestellt, dass wir in der Lage sind, auch in den nächsten Jahren das Engagement über die Stiftungen in der Form weiterzuführen, wie wir das bisher gemacht haben. Ich denke, dass ich da für alle Stiftungen sprechen kann.“

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